Zeitung Heute : Rendez-Vous mit Carola

Es wird Zeit, dass junge Berliner Labels sich gemeinsam präsentieren

Jeder Designer, der seine Kollektion in Paris zeigt, erhofft sich ein bisschen vom Glanz der großen Modewelt. So geht es auch den über hundert Ausstellern auf der Rendez-Vous, einer Messe für junge, avantgardistische Labels. Davon scheint es in Berlin mehr zu geben als anderswo – 20 Stände zeigen Berliner Design.

Carola Plöchinger hat auf der Rendez-Vous selbst schon Entwürfe für ihr Männerlabel IO ausgestellt, doch jetzt ist sie da, weil sie versuchen will, die Berliner Einzelkämpfer zu einer schlagkräftigen Gruppe zusammenzuschließen. Das hat schon in Kopenhagen funktioniert: Für einen gemeinsamen Messeauftritt gründeten sechs Berliner Designer das „Fashion Collective Berlin“. Damit soll es nun weitergehen, mit Unterstützung vom Senat.

„Paris muss sein, es ist der Pflichttermin am Ende der Saison, hier trifft man die wichtigsten Einkäufer aus aller Welt“, sagt Livia Ximenez-Carrillo von Mongrels in Common. Wenn man viel Glück hat, leiht jemand ein Stück für ein Fotoshooting mit dem Starfotografen Mario Testino – das ist Calderón Alvarado und Ulrike Seidel vom Label Miroïke passiert. „Es ist ein krasser Wettbewerb und trotzdem kommt hier am meisten raus“, sagt Alvarado. Gerade haben sie japanische Neukunden verabschiedet.

Carola Plöchinger inspiziert inzwischen das Standdesign und findet, dass die Namensschilder viel zu klein sind. Und überhaupt sei die Rendez-Vous „ganz schön teuer und vollgestellt“. So richtig zufrieden sind die Berliner nicht mit der Rendez-Vous, deshalb fände es Kai Seifried von Starstyling auch verlockend, sich einfach mit anderen Berliner Designern in einem eigenen Showroom zusammenzutun. „Aber woher sollen Einkäufer und Journalisten dann wissen, wo wir sind?“ Carola Plöchinger hat Zweifel, ob eine kurzfristig organisierte gemeinsame Aktion den gewünschten Erfolg hätte. Nur zu leicht kann aus dem Höhepunkt der Saison die größte Enttäuschung werden – wenn keiner kommt, um das Ergebnis monatelanger Arbeit zu bewundern. Dass die Zeit reif ist, die starke Präsenz der Berliner gemeinsam zu nutzen, weiß aber auch sie. Eine Pariser Stylistin stellt auf dem Stand von Mongrels in Common begeistert fest: „Von euch scheint es in Berlin ja eine ganze Menge zu geben!“

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