Zeitung Heute : Rent a Weihnachtsmann

Alle Jahre wieder überbringen Studentinnen und Studenten die heiß ersehnten Geschenke

Anke Assig

Nur noch wenige Tage bis Heiligabend. An Geschenken und Überraschungen aller Art wird es nicht mangeln. Als Überbringer der Gaben sind wie jedes Jahr wieder hunderte Berliner Studenten von nachmittags bis abends im Einsatz, um insgesamt fast 6000 Familien aus Berlin und Umgebung zu beschenken. Bis zu 14 Termine absolviert jeder einzelne Weihnachtsmann. Die meisten Buchungen sind bereits erfolgt. Seit gestern weiß jeder studentische Knecht Ruprecht, wen er im Laufe des Tages besuchen wird. Doch auch kurz Entschlossene können sich bis zum 22. Dezember noch für einen Weihnachtsmann oder einen Weihnachtsengel entscheiden. „Eine Gewähr können wir es so kurz vor dem Fest allerdings nicht mehr geben“, gibt Projektleiterin Daniela Rohtig zu bedenken. Denn: „Die Weihnachtsmänner und Engel sind in diesem Jahr besonders knapp. Statt 600 sind es diesmal nur rund 400“. Warum das so ist, weiß sie selbst nicht genau. Am Verdienst kann es nicht liegen. Genau 28 Euro bekommt ein Weihnachtsmann beziehungsweise ein Engel, wenn er oder sie am festlichsten Tag des Jahres im Berliner Stadtgebiet eine Familie mit bis zu drei Kindern beschert. Bei durchschnittlich zehn Auftritten hat sich dann auch der Weihnachtsmann ein Extra-Geschenk verdient. „Unseren Studenten ist der 24. Dezember vermutlich selbst sehr wichtig. Sie wollen ja auch in Familie feiern“, vermutet die Sprecherin der weihnachtlichen Helferschar.

Vielleicht hat der eine oder andere aber auch seinen Sold schon beisammen, denn schließlich vermitteln die studentischen Arbeitsagenturen TUSMA und „Heinzelmännchen“ bereits ab Anfang Dezember Nikoläuse, Weihnachtsmänner, Knecht Ruprechte und Christkinder. Besonders in Kitas, Schulen und bei Betriebsfeiern sind sie in der Adventszeit gern gesehen. „In den Kindergärten klappt das Gedichte Aufsagen und Lieder Singen erfahrungsgemäß wesentlich besser als in den Firmen“, verrät Rohtig Augen zwinkernd.

Die studentische Arbeitsvermittlung beschert seit über fünf Jahrzehnten Berliner Familien und ihre Gäste. In diesem Jahr arbeiten die Vermittlungen an der TU (TUSMA) und an der FU (Heinzelmännchen) wieder zusammen, um die Aufträge gemeinsam zu bewältigen. „Mit vereinten Kräften geht es einfach besser“, weiß Rohtig. Das gilt auch für die Männer und Frauen, die im Duo gebucht werden. „Unsere Engel schicken wir nur gemeinsam mit einem Weihnachtsmann zu den Kunden“, erläutert die Projektleiterin. „Wir wollen ja nicht, dass eine unserer Studentinnen mal eben in eine Herrenrunde bestellt wird.“ Das soll schon ab und an – anonym – gewünscht worden sein. Ansonsten nehmen es die Berliner sehr genau mit der Tradition. „Unsere Kunden ordern überwiegend Weihnachtsmänner. Engel werden leider nicht so oft vermittelt.“, sagt Rohtig. „Und eine Studentin im Weihnachtsmannkostüm – das wird nicht gewünscht“.

So wie sich die Kunden an Richtlinien halten müssen, so müssen auch die studentischen Weihnachtsmänner bestimmte Regeln erfüllen: Wer zum ersten Mal dabei ist, muss ein Casting und bei Eignung eine Schulung durchlaufen. „Wir achten besonders darauf, dass unsere Weihnachtsmänner und Engel sich ihrer Verantwortung den Kindern gegenüber bewusst sind. Auch die Kostüme aller Weihnachtsmänner und Engel werden strengstens überprüft. Dies geschieht bei der obligatorischen alljährlichen Vollversammlung aller Weihnachtsmänner“, sagt die Koordinatorin der Weihnachtsmann-Aktion. Fast alle Studenten haben den Weihnachtsmann-TÜV am 3. Dezember mit Bravour bestanden – einzelne Beanstandungen müssen nachträglich vorgezeigt werden. Die Mäntel und Kapuzen sind gebügelt, die lockigen Bärte sitzen, die Flügel sind startklar. Na dann: Frohe Weihnachten!

Weitere Informationen unter www.berliner-weihnachtsmann.de. Auftragsannahme unter Telefon: 030 -960 606 606 oder 030 - 832 40 17

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