Zeitung Heute : "Resort Teufelsberg": Exklusive Lage und ebensolche Preise

Harald Olkus

Nach langwierigen Streitigkeiten mit Anwohnern und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald baut eine Kölner Investorengruppe um den Architekten Hartmut Gruhl nun doch ihr geplantes "Resort" auf dem Teufelsberg. Teile der ehemaligen Abhörstation der Briten und Amerikaner sollen dabei integriert und die bisherige Silhouette mit den Kuppelbauten erhalten werden. Auf dem 130 Meter hohen Schuttberg im Grunewald soll nun bis Ende 2002 das "Resort Teufelsberg" mit Hotel, Sport- und Wellness-Anlage, Klinik, Villen und Wohnungen sowie einem Restaurant entstehen.

Die exponierte Lage auf der Anhöhe mitten im Grunewald fordere den "Resort"-Gedanken geradezu heraus, sagt Gert Baer von der Universal Consulting Company, die mit der Vermarktung des Objekts beauftragt ist. Das Zentrum des Komplexes soll ein U-förmiges Fünfsterne-Hotel bilden, dessen Baukosten allein ein Drittel der veranschlagten Gesamtinvestitionssumme von 300 Millionen Mark beanspruchen sollen. Die Investorengemeinschaft Gruhl, Schütte, Bundgen und Schweigert sei derzeit mit verschiedenen großen Hotelketten im Gespräch, darunter Raffles und Kempinski. In dem viergeschossigen Bau mit 9500 Quadratmetern Nutzfläche sind 136 Zimmer vorgesehen.

Einige der großen Hallen des ehemaligen Horchpostens werden bereits abgerissen. Sie sollen drei Loftgebäuden, mehreren Villen und "Gartenhäusern" sowie einem runden "Panorama-Tower" weichen. In diesen Gebäuden ist luxuriöses Wohnen vorgesehen. Stehen bleiben wird dagegen ein kleiner Antennenturm, dem die Investoren den Namen Blue-Diamond-Tower gegeben haben. Er soll in ein "großzügig gestaltetes Einfamilienhaus" umgebaut werden und ist laut Baer bereits an einen Berliner Arzt verkauft. Auch der so genannte "Arctic Tower" ist ein Antennengebäude der Alliierten. In diesem Turm sollen ebenfalls edle Wohnungen entstehen.

Unter Milieuschutz steht der weithin sichtbare "Radom Tower", wie die Investoren den großen Flachbau mit den drei Kuppeltürmen getauft haben. Das Gebäude soll vollständig entkernt und neu ausgebaut werden. Im Erdgeschoss des langgestreckten Unterbaus ist ein Sport- und Wellnessclub geplant. Das konkrete Angebot eines Betreibers läge den Investoren bereits vor, sagt Baer. In der Etage darüber ist eine Klinik vorgesehen. Bislang sei noch nicht entschieden, ob es eine Schönheitsklinik werden soll oder eher ein Reha-Zentrum. "Sie soll aber auf jeden Fall mit dem Wellnessclub und dem Hotel korrespondieren", sagt Baer. In den oberen Geschossen werden wieder edle Loftwohnungen angeboten.

Die Kuppeltürme, die bisher nur aus einer mit Plastikplane umhüllten Stahlkonstruktion bestehen, sollen rundum verglast und die teilweise sechs Meter hohen Räume in Maisonette-Wohnungen ausgebaut werden. Wegen des teilweise industriellen Charakters dieses Gebäudes habe man sich für Lofts entschieden, die als Wohn- oder Bürolofts genutzt werden können. Diese Flächen ab 175 Quadratmeter sollen ausgebaut 11 500 Mark pro Quadratmeter kosten.

Solchen Preisen stehen neben der exklusiven Lage und der Aussicht über Berlin und das Havelland entsprechende Service- und Sicherheitsleistungen gegenüber: Neben einem Concierge und verschiedenen Dienstleistungen gehört dazu auch ein umfangreicher Securityservice. Zu den Leistungen des Sicherheitsbüros gehören der Kontroll- und Streifengang im Außenbereich, Zufahrts- und Zugangskontrollen am Eingangstor, eine Videoüberwachung der Gesamtanlage und der Parkebenen.

Nicht abgerissen werden darf die ehemalige Kantine des alliierten Horchpostens. Hier ist unter der Bezeichnung "Forum Teufelsberg" ein Restaurant vorgesehen. Ursprünglich sollte im "Forum" in Zusammenarbeit mit dem Dahlemer Alliierten-Museum und anderen deutsch-amerikanischen Institutionen ein Museum zur Geschichte der Spionage eingerichtet werden. Von solchen Vorstellungen scheint man sich aber verabschiedet zu haben. Mittlerweile denkt der Investor eher an eine Art "Erlebnisgastronomie" nach dem Vorbild der "Planet Hollywood"-Kette, deren Restaurants mit den Filmrequisiten berühmter Hollywood-Schauspieler ausstaffiert sind. Die entsprechenden Abhörgerätschaften und Relikte aus dem Kalten Krieg sollen also eher als Deko-Objekte der Gastronomie dienen, denn als Museumsstücke.

Den Teufelsberg betreffend gibt es immer noch einen Rechtsstreit zwischen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und dem Berliner Senat. Der Ausgang des Prozesses habe aber keinerlei Auswirkungen mehr auf die Pläne der Investoren, sagt die Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Petra Reetz. Der Teufelsberg sei nie im Landschaftsschutzgebiet enthalten gewesen und daher habe der Bebauungsplan auch nie in Frage gestanden. Bei dem noch anhängigen Rechtsstreit zwischen Schutzgemeinschaft und Senat gehe es lediglich um die Frage, ob die Kuppe des Teufelsbergs als Waldgebiet anzusehen sei oder nicht. Wenn ja, müsste der Senat den Investoren lediglich eine Ausnahmegenehmigung erteilen und sich verpflichten, die entsprechende Fläche an anderer Stelle aufzuforsten. Eine anderes Argument der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gegen den Bau des "Resorts" war, dass die Fläche als Erholungsgebiet dient und der Öffentlichkeit zugänglich bleiben muss. Das müsse auch weiterhin gewährleistet sein, sagt Petra Reetz. "Die Investoren können nicht einfach einen Schlagbaum aufstellen."

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