RETROSPEKTIVEAnnie Leibovitz : Zeige deine Wunden

Christina TilmannD
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Als Glamour-Fotografin ist sie berühmt, als Autoren- Fotografin wird sie mit dieser Ausstellung bekannt werden. Gerade hat Annie Leibovitz für „Vanity Fair“ eine Fotostrecke mit Cate Blanchett inszeniert: Willkommen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. So kennen wir die Fotografin, als Erzeugerin vollendet künstlicher Star-Porträts. Doch gleichzeitig gab es, wie auf dem Foto von Patti Smith und ihren Kindern Jackson und Jesse, auch immer eine Unmittelbarkeit, eine Direktheit, die aus den frühen Rock’n’Roll-Zeiten mit den Rolling Stones stammt.

Es gibt aber noch eine andere Annie Leibovitz. Eine, die mit der Wanderausstellung „A Photographer’s Life“ erstmals auch in Deutschland vorgestellt wird. Es geht um die private Annie, um die Bilder eines imaginären Familienalbums. Man sieht die Eltern, Verwandten, den Tod des Vaters, die Geburt ihrer drei Töchter, und vor allem das Leben mit ihrer Lebensgefährtin Susan Sontag. Ein Rückblick über 15 Jahre, über gemeinsame Reisen, gemeinsames Leben, gemeinsame Arbeit, gemeinsame Sommerferien am Strand.

Natürlich lässt sich das nicht trennen von den Auftragsarbeiten im Leben eines Fotografen. Doch vor allem, und in den besten Momenten, ist diese Ausstellung: anrührend privat. Nicht exhibitionistisch, voyeuristisch, aber auf eine mutige Art ungeschützt, intim. Tod, Geburt, Krankheit, Alter, aber auch Liebe, Vertrautheit, Nähe, all das thematisiert Leibovitz in ihren Bildern. Sie ist von einer Modefotografin zur Künstlerin geworden. Christina Tilmann

C/O Berlin im Postfuhramt, Sa 21.2. bis So 24.5., tgl. 11-20 Uhr, 7 €, erm. 5 €; Lecture: Annie Leibovitz im Gespräch mit Beatrice v. Bismarck: Sa 21.2,

16 Uhr, 20 €, erm. 15 €

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