RETROSPEKTIVEDennis Oppenheim : Fragwürdige Vereinigung

Heidi Jäger

Dennis Oppenheim operiert mit Überraschungseffekten. Nichts in den Arbeiten des New Yorker Künstlers erschließt sich auf Anhieb, und doch nimmt bereits der erste Blick gefangen. Man spürt die spielerische Freude an technischen Finessen, die inhaltlich auf den Punkt treffen. Wie das berührende „Älterwerden“ (Foto). 20 kleine Figuren sind nebeneinander aufgereiht, mit fahlen Gesichtern und hängenden Schultern. Sie fallen immer mehr in sich zusammen, bis sie kraftlos am Boden liegen. Das rote Licht, das auf sie scheint, kennt kein Erbarmen, erhellt in voyeuristischer Manier das leise Dahinsiechen. Ob aufgebraucht nach getaner Arbeit oder am Ende des Lebens.

Aus einer anderen Ecke dringt ein monotones, stöhnendes Geräusch: Ein Holzstuhl schiebt sich in penetranter Gleichförmigkeit in einen weichen Sessel hinein. Was entsteht aus dieser fragwürdigen Vereinigung? Dennis Oppenheim schuf diese Arbeit in den achtziger Jahren, als das Thema Genforschung seine Befürchtungen nährte.

Inmitten der Retrospektive, die eine kleine Auswahl an Arbeiten aus gut 40 Jahren umfasst, steht Dennis Oppenheim selbst: als Marionette an dünnen Fäden. Wie ein fremdgesteuerter Dirigent. Was mag es sein, was den Künstler umtreibt? „Man ist inspiriert und weiß nicht, warum. Aber es ist wichtig, es zu wissen“, so der 70-jährige Performer über die vielen Möglichkeiten der Manipulation. „Es gibt bestimmte Zonen, in denen man sich wohlfühlt, aber das Wichtigste ist doch, als Künstler auch Grenzen zu überschreiten, Dinge zu tun, die einem Angst machen.“ Heidi Jäger

Kunstraum Potsdam,

bis So 24.8., Mi bis Fr 14-20 Uhr, Sa/So 12-20 Uhr, Eintritt frei

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben