Zeitung Heute : Retter in der Computer-Not

Wer seinem Arbeitgeber aus der IT-Bredouille helfen kann, sichert Daten – und auch seinen eigenen Job

Kai Kolwitz

Das Unternehmen ist schlank und gut aufgestellt, alles ist bestens – bis sich eines Tages eine wichtige Datei nicht mehr öffnen lässt. „Normalerweise ruft der Chef dann seinen Nachbarn an. Aber der war nicht greifbar“, erinnert sich Maria Brandt, die damals in der Firma ein Praktikum absolvierte – und helfen konnte. Einer ihrer Freunde kennt sich mit Computern ziemlich gut aus und löste das Problem sozusagen im Handumdrehen.

Besser wäre es, einen solchen Retter in der Computer-Not in der Belegschaft zu haben. Doch insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen versuchen, nach dem Motto „Es wird schon nichts passieren“ über die Runden zu kommen. Das Problem: Die Mitarbeiter besitzen zwar genügend Anwender-Know-how, um ihren Job zu beherrschen – aber mehr auch nicht. So werden die normalen Wartungs- und Programmierarbeiten von Fremdfirmen erledigt. Doch bei den vielen kleinen Fußangeln, die der Computer-Alltag bereithält? Da ist deren guter Rat meist zu teuer. Und jemanden einzustellen, der sich ausschließlich um die Computeranlage oder den Internet-Auftritt der Firma kümmert, lohnt sich für mittelständische Firmen sowieso nicht.

Diese Lücke zu schließen, bietet sich deshalb als attraktive Karrierechance an.Wer daher Eigeninitiative entwickelt und sich zusätzlich zu seinem Fachwissen grundlegende IT-Kompetenz aneignet, kann im Konkurrenzzkampf um einen neuen Arbeitsplatz mit Fähigkeiten punkten, die andere nicht haben, oder im bestehenden Job seine Position festigen. „Allgemeine Kompetenz in Sachen IT gehört heute zu den Elementartugenden“, sagt Claus Labonté von der Berliner Industrie- und Handelskammer. Doch selbst bei den Jüngeren gibt es überraschende Defizite: „Wir stellen bei unseren Studenten teils immer noch heftige Berührungsängste in Sachen Informationstechnologie fest“, ist zum Beispiel die Beobachtung von Christoph Schlick von der Ruhruniversität Bochum (RUB). Im Rahmen der neuen Bachelor-Studiengänge bietet die RUB deshalb einen Kurs als Wahlpflichtfach an, in dem Studierende den richtigen Umgang mit verschiedenen Druckertypen lernen oder einen Virebefall des PC erkennt.

Auch an den Berufsschulen existieren Ansätze, das Computer-Know-how auf breitere Beine zu stellen. Etwa am Berliner Oberstufenzentrum Banken und Versicherungen. Dort soll ein allgemeiner Kurs zum Thema Informationstechnologie die Auszubildenden fit machen für die Arbeit an der Schnittstelle zwischen kaufmännischem und IT-Bereich. Doch selbstverständlich sind solche Lerninhalte gerade in den nichttechnischen Fächern und Ausbildungsgängen noch lange nicht. Und wer bereits im Beruf steht und Zusatzqualifikationen erwerben will, ist sowieso meist auf sich selbst gestellt.

Hinzu kommt: IT ist nicht gleich IT. Zwischen „Grundlagenseminar Netzwerktechnik“ und HTML-Kursen, die die Sekretärin in die Lage versetzen, auf der Unternehmens-Website eine Telefonnummer oder ein Datum zu ändern, bieten private Weiterbilder ein breites Spektrum von Seminarinhalten: vom eintägigen Crashkurs bis zur berufsbegleitenden Fortbildung über mehrere Monate. Sich an den Bedürfnissen seines Arbeitgebers zu orientieren, ist daher nicht die schlechteste Wahl. Ansonsten dürfen ruhig persönliche Neigungen entscheiden. Beratung in Sachen Weiterbildung bietet unter anderem die Berliner IHK an.

Ebenfalls Pluspunkte zu holen sind auch in der Computer-Sicherheit. Datenverluste können für ein Unternehmen bedrohlich bis existenzvernichtend werden. Gleichwohl werden IT-Sicherheit und auch Datenschutzfragen vielerorts eher stiefmütterlich behandelt: „Das wird oft delegiert und dann fragt niemand mehr nach, ob auch wirklich alles so funktioniert, wie es das sollte“, meint Frank Rustemeyer von „Mittelstand sicher im Internet“, einer vom Bundeswirtschaftsministerium initiierten Initiative zum Thema IT-Sicherheit.

Nicht zuletzt durch die Virenflut der letzten Monate rät die Initiative ihren Klienten, einen Sicherheitsbeauftragten zu benennen, der sich darum kümmert, dass von wichtigen Daten Sicherheitskopien erstellt werden, dass der Virenscanner aktuell bleibt und auch darum, dass die Mitarbeiter nicht alles und jedes aus dem Netz herunterladen. Schulungen zum „IT-Sicherheitsbeauftragten“ werden von vielen Instituten angeboten.

Wer sich übrigens als Arbeitsloser per Computerkurs bessere Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz verschaffen will, sollte sich bei seiner zuständigen Arbeitsagentur um einen Bildungsgutschein bemühen. Zwar entscheidet der Vermittler darüber, ob eine solche Qualifikation sinnvoll sein könnte, aber einen Versuch ist es allemal wert.

Mehr dazu im Internet:

www.ausbildung-plus.de,

berlin.wdb.de

www.arbeitsamt.de/Kurs,

www.berlin.ihk24.de

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