Zeitung Heute : Rettet das Föderalion

Für Kinder und Jugendliche: Ein Computerspiel erklärt den Bundesrat

Kurt Sagatz

Bundestag und Bundesregierung sind auch den meisten jüngeren Deutschen ein Begriff, doch wie der Bundesrat funktioniert und welche genauen Aufgaben die Länderkammer hat, liegt für viele Jugendliche doch unter einer ziemlich dicken Eisschicht. Damit stehen sie im interaktiven Lernabenteuer „Föderalion“ nicht alleine da. Denn dort schlüpft der Spieler in die Rolle eines Entdeckers, der sich im Eiszeitjahr 6432 auf eine historische Entdeckungsreise zurück zu Demokratie und Föderalismus begibt. Die Umsetzung dieses PC-Spiels ist dabei so gut geraten, dass „Föderalion“ für den „Grimme Online Award 2005“, einen der wichtigsten deutschen Internetpreise, nominiert wurde. Ob das Bundesratsspiel die begehrte Auszeichnung in der Kategorie „Wissen und Bildung“ erhält, wird sich am 30. Juni entscheiden, wenn in Schloss Bensberg in Bergisch-Gladbach die Preisträger bekannt gegeben werden.

Zurück zum Spiel: Nach dem Einloggen wird die Mission erklärt. Ziel ist die Rekonstruktion des legendären „Föderalion“, das in der Eiszeit verloren ging, und dessen Fragmente nun zusammengesucht werden müssen. In einem Eisbohrer-Gefährt, das an Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ erinnert, tritt der Spieler als Assistent eines bedeutenden Archäologen seine Reise in die Vergangenheit an, die ihn tief durch die politische Eisdecke treibt, vorbei an steinernen Ruinen und schemenhaften U-Bahn- Wagen. Seine erste Station ist die Tiefgarage des Bundesrates, sein erster Fund das Skelett eines Amtsdieners, der den letzten Gesetzentwurf noch in seinen Fingerknochen hält.

Doch damit „Föderalion“ nicht nur eine kurzweilige Computerunterhaltung mit netter Eisbohrer-Navigation ist, spielt neben dem Auffinden der Hinweise auch das Beantworten „historischer Politikfragen“ eine wichtige Rolle. Schließlich soll „Föderalion“ das Verständnis für die Arbeit des Bundesrates befördern. Und die Fragen haben es mitunter in sich: „Gelten im Föderalismus alle Gesetze gleichermaßen oder gibt es bei Bildung und Polizei Unterschiede in den einzelnen Bundesländern?“ will das Spiel wissen. Einfacher als die Beantwortung dieser Frage ist möglicherweise die geografische Zuordnung der 16 Länderhauptstädte durch Auto-Nummernschilder. Level für Level heißt es suchen und beantworten, bevor der Spieler sein Missionsziel erreicht. Und wehe dem, der nach der „try and error“-Methode vorgeht, denn falsche Antworten werden schnell durch Punkteabzug vom Zeitkonto bestraft.

Damit kein Frust aufkommt, ist es daher ratsam, von den eingebauten Hilfen Gebrauch zu machen. Dass ein BMW eher von einem Mitglied der bayerischen Landesregierung als von einem aus Stuttgart (Mercedes) genutzt wird, liegt auf der Hand. Bei vielen anderen Fragen sollte man hingegen besser das Archiv oder die anderen angebotenen Medien zu Rate ziehen. Dort geht es glücklicherweise nicht nur staubtrocken zu. In einem Quiz muss man beispielsweise entscheiden, welche wüsten Beschimpfungen wirklich unter Politikern gefallen sind. Genauso wichtig wie Wissen ist darum Geduld: Nur wenn man alle Rätsel um Bundesrat, Bundestag, Landtag und Bundesverfassungsgericht lösen kann, bekommt man die einzelnen Teile zusammen und kann damit die politische Struktur des Staatsgebildes Bundesrepublik verstehen.

Das Spiel (sowohl Windows als auch Apple) ist als CD-ROM kostenlos beim Bundesrat erhältlich, kann aber auch im Internet unter www.bundesrat.de/foederalion gespielt werden.

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