Zeitung Heute : Rettung für Berlins wertvollste Ruine

Der Tagesspiegel

Mitte. Die im Zweiten Weltkrieg zerbombte mittelalterliche Kirche des Franziskanerklosters an der Klosterstraße befindet sich in einem trostlosen Zustand. Abhilfe ist dringend notwendig, um nicht den Verlust eines der letzten Berliner Bauwerke aus dem Mittelalter zu riskieren.

Von den Umfassungsmauern der nach 1945 als Mahnmal gegen den Krieg erhaltenen und noch immer stattlichen Ruine bröckeln Steine. Wasser dringt ein und sprengt die Fugen auf, Salze blühen aus und bedecken die Mauern mit weißlichen Rotznasen. Der Fußboden wellt sich, weil Platten durch Frostaufbrüche in Bewegung kommen. Nachdem das Landesdenkmalamt die Schäden festgestellt hat, sollen die Sanierungsarbeiten in den kommenden Monaten beginnen. Als Geldgeber stehen die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie der Bund und private Sponsoren wie die Berliner Cornelsen Kulturstiftung bereit, doch müssen weitere Spendengelder eingeworben werden. Eine Arbeit, der sich auch der Förderverein Klosterkirche verschrieben hat. Er kümmert sich auch um die kulturelle Nutzung des Bauwerks.

Denkmalpfleger berieten unlängst auf einem Kolloquium des Landesdenkmalamtes über den Zustand der Ruine und über Rettungsmaßnahmen. Dabei forderte der frühere Generalkonservator des DDR-Instituts für Denkmalpflege, Ludwig Deiters, der in den achtziger Jahren an Sicherungsmaßnahmen beteiligt war, „Berlins wertvollste Ruine“ müsse unbedingt ein richtiges Dach bekommen, das den Bau nicht nur sichert, sondern auch die herausragende Bedeutung des Bau- und Kulturdenkmals in der Stadtlandschaft betont. Dies sei um so wichtiger, als das Areal an der Klosterstraße und Grunerstraße zum Teil neu bebaut wird, so dass die Klosterkirche dagegen ohne Dach ziemlich klein wirken würde. Ausserdem sollte darüber nachgedacht werden, wieder Glas in die leeren Fenster mit ihrem edlen Maßwerk zu setzen. Dies alles würde die Nutzungsmöglichkeiten des früheren Gotteshauses etwa als Konzerthalle oder für Ausstellungen auch in der kalten Jahreszeit merklich erhöhen. Trotz ihres torsohaften Zustands zähle die Klosterkirche zu den bedeutendsten Denkmalen mittelalterlicher Backsteingotik in der Region. Sie besitze als Gotteshaus des berühmten „Gymnasiums zum Grauen Kloster“ überregionale Bedeutung und sei eindrucksvolles Mahnmal gegen den Krieg, was bei den Baumaßnahmen unbedingt beachtet werden müsse, so Deiters.

So schnell schießen die Preußen nicht, denn es gibt auch andere Pläne als die der kompletten Bedachung. So plädiert das Landesdenkmalamt für eine bescheidenere Lösung, die den ruinenhaften Zustand respektiert. Unbedingt nötig sei eine Neueindeckung der Mauerkronen, um weiteres Eindringen von Wasser zu stoppen, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Statt der bisherigen Betonschicht sollte Kupferblech verwendet werden, man denke aber auch an Pflanzenbewuchs, der durch Aufnahme von Wasser die Mauerkronen trocken hält. Es gebe genug Beispiele, wo solche Bauten überleben, wenn sie gepflegt werden. Ein Dach auf der Klosterkirche sei eine „sehr ferne“ Option. Helmut Caspar

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