(R)evolution : Werden Störche blau?

In der Regel versteht der Mensch sich gut mit dem Storch. Sie mögen sich. Der Storch den Menschen, weil er ihm Wagenräder auf lange, aufgestellte Stangen montiert, auf denen er sich niederlassen und wohnen kann, oder Kamine auf Häusern zum gleichen Zweck anbietet. Da sieht der Storch dann von hoher Warte den kriechenden Wurm, und schwupps, ist ein Wurm weniger auf der Welt. Und der Mensch mag den Storch, weil er so verlässlich ist, stets wiederkehrt nach langer Winterreise, nur Wurm und Frosch zu nahe tritt, nicht aber den Menschen, hübsch anzusehen ist und nur in Maßen schmutzt. Kinder bringt er nicht, das ist klar. Warum er aber farblich etwas einfallslos einherkommt und dabei ein wenig an die deutsche Fußballnationalmannschaft erinnert, ist unklar. Schwarz und Weiß, das Gefieder, das hat wohl eine gewisse Eleganz, ist aber angesichts der Vielfalt im Farbkasten der Natur etwas dröge. In Briesen im Oderland, im Ortsteil Biegen, ist nun ein Storch aufgetaucht, der rigoros mit dem strengen Dresscode der Storchheit bricht, er ist blau. Und man muss sagen, Blau steht ihm gut.

Man weiß noch nicht, wo und wie er sich farblich aufgehübscht hat, ob er auf seiner langen Reise von Afrika nach Brandenburg irgendwo in einen Farbtopf gefallen ist. Einer anderen, unschönen Theorie nach könnte der Storch von einem Paintball-Spieler mit Farbe beschossen worden sein, man weiß es nicht, eine Laune der Natur, da sind sich die Storchexperten einig, ist die Verfärbung nicht. Schade. Blau passt zum Storch. Blau ist der Himmel (am kommenden Wochenende eher nicht), und deshalb steht Blau für Ferne und Sehnsucht, aber auch für Harmonie und Zufriedenheit. Mit allem könnte sich der Storch identifizieren. Mitunter fahren wir ins Blaue, und wenn wir sonntags nach der blauen Stunde blau waren, könnte man am Montag blaumachen. Letzteres wird nicht gerne gesehen, zum Ausgleich ziehen wir eben den Blaumann an. Man sieht, der Briesener Storch hat sein neues Kleid klug ausgewählt, mit Sinn für Romantik und Lebensfreude. Und das kommt an, kaum hat sich der Avantgardist eingenistet, hat sich auch schon eine interessierte Störchin eingefunden. Erste Paarungsversuche wurden von den Schaulustigen beobachtet, woher man überhaupt erst weiß, dass Adebar Blau – weil Er bei Storchs immer oben ist – ein Er ist. Und was lehrt uns das jetzt alles? Nichts! Aber schön ist so ein blauer Storch schon.Helmut Schümann

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