Zeitung Heute : Rezepte für ein langes Leben

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin Heute: Tipps, um 100 zu werden

Hartmut Wewetzer

Wie wird man 100? Das britische Wissenschaftsmagazin „New Scientist“ hat nachgeschaut, welche Geheimrezepte die Hundertjährigen so in ihrer Schublade haben und was die Forschung zur Langlebigkeit zu sagen hat. Herausgekommen ist eine nicht ganz widerspruchsfreie Mischung:

Humor. „Ich habe immer nur eine Falte gehabt, und auf der sitze ich“, pflegte Jeanne Calment zu sagen, die älteste Frau der Welt (1997 mit 122 gestorben). Sehr alte Menschen gehören nicht zu den Schwarzsehern, sehen die Dinge sogar ein bisschen zu rosig. Jeanne Calment hat sicher mehr als nur eine Falte gehabt, nicht wenige davon vom Lachen. Wer nicht von Natur aus innere Gelassenheit besitzt, kann lernen, sich zu entspannen. Einfach bequem sitzen, die Augen schließen und auf den Atem achten.

Geistig und körperlich fit bleiben. Intelligenz, gute Erziehung und Bildung schützen besser vor den Malaisen des Alters. Und mentale Gymnastik – Lesen, Rätseln, Lernen, andere Menschen treffen – ist ebenso wichtig wie körperliche. Weniger bekannt ist, dass Sport und Bewegung auch den Geist länger fit halten.

Menschen. Wer heiratet, lebt länger. Familie, Kinder, Freunde, selbst Haustiere: Wer ein soziales Netzwerk hat, gewinnt ein paar Jahre angenehme Lebenszeit.

Ein bisschen Risiko. „Hormesis“ heißt die kuriose Theorie, nach der ein leichter Sonnenbrand, eine Röntgenaufnahme, ein paar Flaschen Bier sogar gesund sein können. Die mögliche Erklärung: Diese „Stressoren“ kurbeln die körpereigenen Reparaturmechanismen an. Beweise? Nach einer Studie der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hatten Arbeiter, die aufgrund ihres Kontaktes zu Kerntechnik einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt waren, eine um eine Viertel verringerte Sterblichkeitsrate im Vergleich zu Kollegen, die dieser Strahlung nicht ausgesetzt waren. Auch Hungern und Sport sind nützliche „Stressoren“.

Ein kleines Laster. Ein Glas Wein, ein Bier zum Feierabend schützen die Gefäße vor Verkalkung. Wer die Neigung zu einem Nickerchen verspürt, sollte seinem Körper durchaus nachgeben (solange er nicht am Steuer eines Autos sitzt). Schokolade, Kaffee, ein Sonnenbad (eingecremt), eine Romanze – kleine Sünden versüßen nicht nur das Leben, sondern sind wie eine Selbstmedikation.

Weniger Essen. Starkes Übergewicht verkürzt das Leben. Viel frisches Obst und Gemüse sind dagegen eine gute Lebensversicherung. Ob es die Lebensspanne verlängert, wenn man immer an der Hungergrenze lebt, ist umstritten. Bei Mäusen wirkt’s.

Leben. Reisen, eine Sprache lernen, ein Sudoku lösen, ein Gedicht schreiben (auch wenn es keiner außer Ihnen lesen will), ein Bungeesprung – Herausforderungen lassen uns nicht nur spüren, dass wir am Leben sind. Sie verlängern auch die „gefühlten“ Jahre und können uns geistig fit halten. Oder, mit den Worten von Hermann Dörnemann (gestorben 2005 mit 111): „Wenn ich gewusst hätte, dass ich so lange lebe, hätte ich besser auf mich aufgepasst.“

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