Zeitung Heute : Richtig anpacken

Jobs nur für die Sommerwochen sind Mangelware – Erfolg mit pfiffigen Ideen und Klinkenputzen

Regina-C. Henkel

„Hallöchen, ich bin Konstanze, 24, aus Leipzig.“ Die Psychologie-Studentin im vierten Semester sucht einen Job – und hat deshalb im Internet ein Stellengesuch aufgegeben. Ihr flottes Porträt-Foto und die betont lockere „Hallöchen“-Begrüßung sollen Konstanzes Chancen auf eine lukrative Ferienbeschäftigung erhöhen – am liebsten als Promoterin. „Das kriege ich auch hin“, sagt Konstanze. Auch Matthias, 15, ist sicher, noch einen interessanten Job für sich aufzuspüren. „Meine Daten hängen in allen Supermärkten der Umgebung, mit etlichen Geschäftsleuten und Gartenbesitzern habe ich auch gesprochen. Ich finde was, ganz bestimmt“, glaubt der Berliner Gymnasiast.

Wenn die Beiden sich da mal nicht irren. Im Konkurrenzkampf treten nicht nur Studenten und Schüler gegeneinander an. Zunehmend interessieren sich auch Arbeitslose für Aushilfsjobs. Gleichzeitig haben die traditionellen Anbieter von Ferienjobs ihre Personalplanung so optimiert, dass kaum noch Aushilfsbedarf entsteht. Hinzu kommt, dass die Aufgaben in den Betrieben so anspruchsvoll geworden sind, dass auch vorübergehend Beschäftigte unbedingt eingearbeitet werden müssen. „Kein Bedarf“ oder „zu teuer“ lauten deshalb die Standard-Antworten, wenn es um Ferienjobs geht.

„Wir haben unser festes Personal, das reicht uns“, heißt es etwa beim Zoo Berlin, der früher „immer mal wieder“ Ferienjobber beschäftigte. Ähnlich die Antworten beim Gebäudereinigungsunternehmen Dussmann oder bei der Deutschen Bahn AG. Für letztere sagt Jörg Wackerhage vom Personalmarketing: „Jobs für Kopierarbeiten und Laufburschen gibt es einfach nicht mehr“. Selbst bei der Job-Vermittlung der Technischen Universität herrscht Flaute. Auf einen „Heinzelmännchen“-Job kommen drei Bewerber. Wer in den Schul- oder Semesterferien Geld verdienen möchte, muss sich also etwas einfallen lassen, vor allem bei der Jobakquise.

„Freunde und Verwandte ansprechen, Klinkenputzen und dabei am besten eine Kurzbewerbung in der Tasche haben“, ist für Klaus Pohl die ultima ratio. Der Vertreter der Bundesagentur für Arbeit in Berlin berichtet, dass die Ferienjob-Angebote bundesweit eingebrochen sind, östlich der Elbe ganz besonders. So empfehlen die Arbeitsagenturen etwas hilflos, „sich in der Gastronomie umzuhören.“ Doch an diese Jobs heranzukommen, ist fast aussichtslos. Zwei Drittel aller Studenten jobben regelmäßig, um finanziell über die Runden zu kommen. Kein Wunder, dass sie ihre Jobs nicht freiwillig abgeben.

Bei Schering können Studenten immerhin Werkverträge – mit flexibler Arbeitszeit – parallel zum Studium abschließen. Aber spezielle Ferienangebote gibt es nicht. Auch bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen fragen Bewerber umsonst an. Aber: Praktikantenstellen seien hin und wieder im Angebot. Das ist auch von Daimler-Chrysler für die Werke Ludwigsfelde und Marienfelde zu hören, ebenso von der Deutsche Post World Net. Doch nutzt das dem Schüler oder Studierenden, der sein Taschengeld aufbessern will? Praktika werden mager, meistens gar nicht bezahlt. Gleichwohl können sie noch viel mehr als ein Aushilfsjob bringen. Das zumindest sagt Gert Christmann, Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren (siehe Interview rechts). Konstanze und Matthias halten sich bereits daran. Der 15-jährige Gymnasiast beweist ab kommender Woche Zuverlässigkeit beim Ausliefern von Lebensmitteln, die Studentin arbeitet schon seit 1999 auf eine Berufskarriere in der Agenturbranche hin. Ihre Promotion-Erfahrungen reichen von Seat über Fisherman´s Friend bis T-Mobile. Wie man eine Bewerbung formuliert, weiß sie auch schon: „Ich würde mich freuen, auch für Ihre Agentur tätig werden zu können.“

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