Zeitung Heute : Riester reicht nicht

Wer Anspruch auf Zulagen bei der Altersvorsorge hat, sollte nichs verschenken – zusätzliche private Initiative ist aber nötig

Jaqueline Link

Auch im kommenden Jahr gibt es noch viele Möglichkeiten, steuerfrei fürs Alter vorzusorgen. Zwar werden spätere Einmalauszahlungen aus Lebensversicherungsverträgen, die erst 2005 beginnen, wegen der Neuregelungen durch das Alterseinkünftegesetz nicht mehr steuerfrei sein. Doch Kursgewinne aus Aktieninvestments beispielsweise können Sparer weiterhin – nach Ablauf der Spekulationsfrist – steuerfrei kassieren. Und wer überhaupt erst anfängt, Vermögen aufzubauen, zahlt zunächst auf keine Geldanlage Steuern. Bis rund 40000 Euro kann jeder selbst wegen des Sparerfreibetrags in voll steuerpflichtigen festverzinslichen Sparplänen investieren, ohne seine Erträge versteuern zu müssen.

Das Alterseinkünftegesetz verändert vor allem die Besteuerung der gesetzlichen Rente: Schrittweise werden Renten von neu in den Ruhestand Gehenden ab 2005 beginnend mit 50 Prozent bis 2040 voll steuerpflichtig. Auch wer schon Rentner ist, muss vom kommenden Jahr an 50 Prozent seiner Rente versteuern.

Arbeitnehmer werden im Gegenzug in den kommenden Jahren Stück für Stück mehr Geld netto in der Tasche haben. In 36 Jahren sollen ihre Beiträge zur Altersvorsorge zum großen Teil steuerfrei sein. Dieses zusätzliche Geld können und sollten Arbeitnehmer für zusätzliche private Altersvorsorge nutzen. Denn jüngere Leute werden ihre im Vergleich zu heute sehr viel höhere steuerliche Belastung im Alter nur durch höhere Einkünfte ausgleichen können.

Für die Altersvorsorge kommen Investmentfonds, Betriebsrenten, private Renten- und Lebensversicherungen sowie Immobilien in Frage. Am besten fangen Arbeitnehmer aber mit der staatlich geförderten Riester-Rente an. Sie hat zwar einen schlechten Ruf – der ist aber unberechtigt. Denn die Förderung ist attraktiv. Jeder, der sie bekommen kann, sollte zugreifen. Durch die Steuerfreiheit der Beiträge und die staatliche Zulage sind Riester-Produkte heute die renditestärksten sicheren Geldanlageangebote. In diesem Jahr können bis zu 1050 Euro eingezahlt werden. Sparer bekommen eine Zulage, und ihre Beiträge werden über die Steuererklärung nachträglich steuerfrei gestellt. Alle Einzahlungen bleiben garantiert erhalten. Für Gutverdiener lohnt sich die Riester-Rente vor allem wegen der Steuervorteile. Wer wenig verdient, profitiert mehr von den Zulagen: 2004 und 2005 bekommen Riester-Sparer für sich jeweils 76 Euro und für jedes Kind 92 Euro.

Riester allein reicht aber nicht für ein finanziell sorgenfreies Leben im Alter. Ein Arbeitnehmer könnte darüber hinaus Geld in Investmentfonds mit hohen Renditechancen stecken. Dafür muss er mögliche Verluste ertragen. Ist Sicherheit für ihn wichtiger, kann er auch einen langlaufenden Banksparplan mit Erträgen um drei bis 4,5 Prozent Zinsen im Jahr abschließen. Wer sich auf eine garantierte lebenslange Rente verlassen will, liegt mit einer privaten Rentenversicherung richtig. Schließt er einen Vertrag noch bis Ende 2004 ab, bekäme er hier nach mindestens zwölf Jahren Laufzeit auch eine Einmalzahlung steuerfrei. Weiß ein Sparer schon heute, dass er später auf jeden Fall eine monatliche Rentenzahlung bevorzugt, kann er sich Zeit lassen. Denn dann erwarten ihn bei Verträgen ab 2005 keine Nachteile. Im Gegenteil: Versteuern muss er später von einer privaten Rente heute und künftig nur den Ertragsanteil. Der sinkt ab 2005 sogar.

Ab dann werden die Versicherer ein neues Produkt in die Waagschale werfen: die „Rürup-Rente“, auch „Basisrente“ genannt. Hier können Sparer steuerfrei ansparen, müssen die spätere Rente dafür voll versteuern. Ob diese Angebote kosten- und renditemäßig akzeptabel sind, lässt sich aber noch nicht beurteilen. Garantiert ist bei Lebensversicherungen immer nur ein Teil der späteren Rente oder Einmalzahlung. Niemand kann wissen, ob die angekündigte Überschussbeteiligung, die eine solche Geldanlage erst lukrativ machen kann, erreicht wird. Zurzeit sind die Erträge in der Versicherungswirtschaft insgesamt sehr dürftig.

Wer eine etwas höhere, sichere Rendite für wichtig hält, für den sind festverzinsliche Sparpläne von Banken und Bausparkassen erste Wahl. Beide haben jedoch den Nachteil, dass bei großen Sparvermögen Steuern fällig werden.

Beiträge für Rentenversicherungen sollten bis zum Ende der Ansparphase gezahlt werden. Bei vorzeitigem Ausstieg bekommen Sparer vor allem in den ersten Jahren oft nur einen Bruchteil ihres Geldes zurück. Auch ein langlaufender festverzinslicher Sparplan sollte möglichst über die vereinbarte Laufzeit hinweg durchgehalten werden. Ansonsten drohen zumindest Renditeeinbußen. Sparer werden also durch beide Produktarten langfristig gebunden. Junge Leute brauchen aber vor allem flexible Lösungen – zum Beispiel Investmentfonds. Langfristig ist hier eine gute Rendite sehr wahrscheinlich.

Wer jenseits der 40 schon Vermögen aufgebaut hat, kombiniert seine Vorsorge außerdem vielleicht mit einer steuerbegünstigten Rentenversicherung. Je älter ein Sparer wird, desto stärker sollte er risikoarme Zinsanlagen bevorzugen. Ist er jenseits der 50, sollte er vor allem auf festverzinste Sparpläne oder auf Sparpläne mit Rentenfonds setzen. Bei Rentenversicherungen scheiden Fondsvarianten aus.

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