Zeitung Heute : Risiken eingehen und Chancen erhalten Discount-Zertifikate sind eine moderne Geldanlage

mit Sicherheitspuffer und attraktiven Renditen

Udo Rettberg

Risiko – für viele Kapitalanleger war dies über weite Strecken der 90er Jahre hinweg ein Fremdwort. Warum sollte man sich auch der Risiken besinnen. Versprachen Investments am Neuen Markt nicht über Nacht Kursgewinne von zehn oder gar 20 Prozent. Die Zeiten haben sich geändert. Der Neue Markt existiert nicht mehr und die Anleger mussten die schmerzliche Erfahrung machen, dass es an den Finanzmärkten große Risiken gibt, die nur lange Zeit versteckt geblieben waren.

Nach dem Kursdebakel an den Aktienbörsen während der Jahre 2000 bis 2002 sind die Anleger kritischer geworden. Sie suchen nach innovativen Finanzprodukten, um die Risiko-Rendite-Struktur ihrer Depots nachhaltig verbessern zu können. Die Banken haben auf die Anforderungen der Anleger mit der Schaffung neuer Produkte reagiert. Ein „Kind dieser Innovationsfreude“ auf Seiten der Banken sind Discount-Zertifikate, mit denen Anleger die rauen Klippen der Börsen-Weltmeere vergleichsweise leicht umschiffen und das Risiko der Kapitalanlage reduzieren können.

Discount-Zertifikate ermöglichen dem Anleger den Kauf einer Aktie mit einem Preisabschlag. Im Gegenzug kann der Anleger an Kurssteigerungen der Aktie nur bis zu einem fest definierten Höchstbetrag – auch Cap genannt – teilnehmen. „Dieser Mechanismus führt dazu, dass der Käufer eines Discount-Zertifikats bei fallenden Kursen der Aktie immer besser abschneidet und somit geringere Verluste erleidet, als der Anleger, der direkt in die Aktie investiert“, sagt Werner Humpert, Experte im Frankfurter Büro der schweizerischen Investmentbank UBS. Bewegt sich der Aktienkurs über die gesamte Laufzeit hingegen nicht oder steigt er moderat, so gelingt es dem Anleger, eine höhere Rendite zu erzielen als im Falle des direkten Erwerbes der Aktie. Notiert die Aktie am Ende der Laufzeit des Discount-Zertifikats unter oder gleich dem Höchstbetrag, wird dem Käufer die dem Zertifikat zugrunde liegende Aktie ohne weitere Zuzahlung geliefert. Wenn die Aktie hingegen am Ende der Laufzeit über dem Höchstbetrag notiert, wird dem Anleger der Höchstbetrag auf seinem Konto gutgeschrieben.

Dieser Funktionsmechanismus und die daraus resultierenden Gestaltungsmöglichkeiten im Wertpapierdepot eines Anlegers lassen sich im folgenden Beispiel genauer dargestellen. Der simulierte Vergleich in der Wertentwicklung bezieht sich auf ein Discount-Zertifikat, dem die Aktie des Software-Herstellers SAP AG zugrunde liegt:

Basiswert: SAP AG

WKN: 198 180

Laufzeit: 23. September 2005

Höchstbetrag: Euro 120

Kurs des Zertifikats: Euro 102,66

Kurs des Basiswertes: Euro 133,50

Auf den ersten Blick sticht der Preisunterschied zwischen Discount-Zertifikat und Aktie ins Auge. Er beläuft sich auf immerhin 30,84 Euro oder 23,10 Prozent. Dies bedeutet, dass der Anleger am Fälligkeitstag des Discount-Zertifikats, dem 23. September 2005, nur dann einen Verlust erleidet, wenn die SAP-Aktie unter 102,66 Euro – dem Kaufpreis des Zertifikats also – notiert. Im Gegensatz zum Käufer der Aktie wird er also immer im Falle von Abwärtsbewegungen geringere Verluste erleiden. Der Discount wird aus diesem Grunde auch als Sicherheitspuffer bezeichnet, da er etwaige Verluste minimiert. Als Preis dafür verzichtet der Anleger auf Kurssteigerungen der Aktie, die über den Höchstbetrag des Discount-Zertifikats hinausgehen.

Im Klartext: Die maximal zu erzielende Rendite der Aktie kann schon bei Erwerb des Discount-Zertifikats errechnet werden. Im Beispiel beläuft sich diese auf 16,88 Prozent oder 17,34 Euro, nämlich die Differenz zwischen Höchstbetrag und Kaufpreis des Discount-Zertifikats. Die Einschränkung, mit dem Discount-Zertifikat lediglich eine Rendite in Höhe von beispielsweise 16,88 Prozent erzielen zu können, wirkt auf viele Anleger befremdlich. Viele Investoren bevorzugen den direkten Kauf der Aktie, da sie an etwaigen überdurchschnittlichen Kurssteigerungen voll partizipieren wollen. Discount-Zertifikate reduzieren das Risiko von Wertpapierdepots jedoch. Sie haben ihre Vorteile lediglich in moderat schwankenden oder aber in stagnierenden Aktienmärkten.

Der Anleger erleidet mit dem Discount-Zertifikat am Fälligkeitstag erst dann Verlust, wenn die Aktie unter dem Kaufpreis von 102,66 Euro notiert. Dies entspricht einem Kursrückgang der Aktie in Höhe des Discounts – also 23,10 Prozent.

Notiert die Aktie bei Fälligkeit bei oder unterhalb von 102,66 Euro (dem Kaufpreis des Discount-Zertifikates), so ist der mit diesem Discount-Zertifikat erlittene Verlust dennoch immer kleiner als beim direkten Kauf der Aktie.

So lange die Aktie am Verfallstag oberhalb von 102,66 Euro (dem Kaufpreis des Discount-Zertifikates) notiert, erzielt der Anleger eine positive Rendite.Bewegt sich die Aktie bis zur Fälligkeit des Discount-Zertifikats nicht, erzielt der Käufer des Discount-Zertifikats einen Gewinn in Höhe des Abschlags. Der Käufer der Aktie erzielt indes keine Rendite auf seinen Kapitaleinsatz.

Notiert die Aktie am Fälligkeitstag am Höchstbetrag bei 120,00 Euro oder höher, erzielt der Käufer des Discount-Zertifikats die maximale Rendite in Höhe von 16,88 Prozent. Der Käufer der Aktie hingegen muss einen Verlust von 10,11 Prozent hinnehmen.

Der Käufer des Discount-Zertifikats schneidet also erst bei einem Kurs der SAP-Aktie von mehr als 156,05 Euro am Fälligkeitstag schlechter ab als mit dem direkten Erwerb der Aktie. Dieser Kurs wird auch als „Outperformance-Punkt“ bezeichnet und ist bei der Anlage-Entscheidung von Bedeutung. Er entspricht dem Produkt aus der maximalen Rendite des Discount-Zertifikats und dem Kurs des Basiswertes zum Zeitpunkt des Erwerbs des Discount-Zertifikats.

Der Anleger sollte diesen Punkt mit seinem individuellen Kursziel vergleichen. Denn nur dieser Punkt gibt Auskunft darüber, ob der Kauf der Aktie unter reinen Performance-Gesichtspunkten attraktiver ist als der Erwerb eines Discount-Zertifikats.

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