Zeitung Heute : Risiko minimieren

Auch bei Garantiefonds, die einen Kapitalschutz bieten, gilt es, sehr genau hinzusehen

Verena Csizi

Spekulieren ohne Risiko? Eine Anlage mit doppeltem Boden? Seit dem dreijährigen Tauchgang der Börsen bis März 2003 ist dies offenbar immer noch Balsam auf geschundene Anlegerseelen. Denn Investments, die Kapitalschutz versprechen und Garantien auf Werterhalt abgeben, gehen immer noch weg wie warme Semmeln.

Dabei wird der Markt sicherheitsorientierter Produkte für den normalen Anleger immer undurchsichtiger. Neben echten Garantiefonds, die meist eine feste Laufzeit haben, finden sich zunehmend so genannte „absolute return“- oder „total return“-Produkte. Sie suggerieren zwar einen Kapitalschutz, bieten ihn in der Praxis aber nicht. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) listet aktuell 83 verschiedene Garantiefonds und 44 unterschiedliche Return-Fonds auf. Vor allem letztere zogen Anleger an wie Magneten: Mehr als 14 Milliarden Euro verwalten die Return-Fonds gegenwärtig. In Garantiefonds stecken aktuell 7,1 Mrd. Euro.

Auch bei Garantiefonds gilt es, sehr genau hinzusehen. Denn die Produkte mit beruhigenden Beinamen wie „Garant“, „Protect“ oder „Kasko“ sichern das angelegte Kapital auf höchst unterschiedliche Weise und zu einem unterschiedlichen Grad ab. Garantiert werden, je nach Fonds, manchmal 90, manchmal 95 oder 100, seltener auch über 100 Prozent des Einsatzes. Im Allgemeinen sind es 100 Prozent, allerdings wird der Ausgabeaufschlag nicht mitgerechnet, so dass am Ende schlimmstenfalls ein Minus von bis zu fünf Prozent droht. Zudem ist der Werterhalt der Anlagesumme in den meisten Fällen nur am Ende der Laufzeit garantiert. Will der Anleger den Fonds vorher verkaufen, kann dies auch mit Kursverlusten verbunden sein. Oft müssen Anleger, die vorzeitig aussteigen wollen, zusätzlich eine Rücknahmegebühr zahlen. Wer Garantiefonds kauft, sollte also sicher sein, dass er das Geld während der gesamten Laufzeit nicht braucht.

Weitere Wermutstropfen: Anteile können meist nur während der Zeichnungsfrist des Fonds erworben werden. Und die Geld-zurück-Garantie gibt es auch nicht zum Nulltarif. Je nach Fondskonstruktion wird ein Teil des Geldes in Versicherungen, Optionen oder andere finanzmathematische Konstrukte gesteckt, um mögliche Kurswechsel an den Märkten abzufedern. Oft ist auch die Beteiligung des Anlegers an Gewinnzuwächsen gedeckelt. Garantiefonds bieten deshalb bei geringerem Risiko auch geringere Renditechancen.

Binnen Jahresfrist haben Garantiefonds nach einer aktuellen Ranking-Tabelle der Fonds-Rating-Agentur Morningstar im Schnitt 5,9 Prozent gebracht. Zum Vergleich: Fonds für europäische Standardwerte warfen im gleichen Zeitraum über zwölf Prozent ab. Umgekehrt haben Garantiefonds beim Vergleich mittelfristiger Zeiträume, die die dreijährige Börsenbaisse umfassen, deutlich die Nase vorn. Daneben haben manche Anbieter aber auch Garantiefonds mit dynamischer Gewinnsicherung im Angebot. Dabei werden die Wertzuwächse zu einem festgelegten Stichtag immer neu abgesichert, der Fonds kann also fortlaufend gekauft werden.

Insgesamt eignen sich die Airbag-Fonds nur für Anleger mit mittelfristigem Anlagehorizont und sehr hohem Sicherheitsbedürfnis. In Zeiten kontinuierlich steigender Märkte, das räumen selbst die meisten Anbieter ein, lohnen sich Garantiefonds nicht. Wissen sollte der Anleger auch: Schütten Garantiefonds, die in festverzinsliche Wertpapiere investieren, Zinsen aus, dann müssen diese – jenseits der Freibeträge – versteuert werden. Bei Garantiezertifikaten, die es ebenfalls in großer Vielfalt gibt, fallen auch nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist Steuern auf die Kursgewinne an.

Absolute- oder Total-Return-Fonds wiederum garantieren zwar keinen wasserdichten Kapitalerhalt, streben jedoch positive Renditen an. Absolute-Return-Rentenfonds setzen beispielsweise nicht nur auf Zinserträge, sondern verstärkt auch auf Kursgewinne der Anleihen. Kritiker wie das private Institut für Fondsanalyse (Ifa) bemängeln, dass Return-Fonds in den meisten Fällen nur Mischfonds mit neuem Namen seien. Dabei habe auch die Wertentwicklung bisher enttäuscht. So schaffte der beste Return-Fonds 15 Prozent Rendite, während der schlechteste 30 Prozent der Kundengelder verspielte.

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