Zeitung Heute : Risse in der Platte

Der Tagesspiegel

Marzahn-Hellersdorf. In den nächsten Jahren könnten noch mehr Plattenbauten abgerissen werden, als bislang angenommen. Denn die Zahl der leer stehenden Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf wird sich voraussichtlich bis 2010 drastisch erhöhen. Stehen zurzeit in Marzahn-Hellersdorf rund 11 600 Wohnungen leer, werden es in acht Jahren rund 17 000 sein. Das geht aus einem Gutachten hervor, das die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung jetzt für die Großsiedlungen im Nordosten der Stadt erarbeiten ließ.

In dem Entwurf für ein „Integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept“ sei von rund 7000 Wohnungen die Rede, die dann überflüssig wären, berichtet Wolfgang Dobberke, kaufmännischer Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Marzahn (WBG). „Das bedeutet aber nicht, dass sämtlicher Leerstand abgerissen wird“, stellte er gegenüber dem Tagesspiegel klar. Nach seiner Ansicht käme auch künftig in Berlin ein flächendeckender Abriss nicht in Frage. Das könne niemand bezahlen. Dobberke hält das vorliegende Gutachten dennoch für eine exakte Wiederspieglung der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung. Deshalb sei die WBG durchaus bereit umzudenken. Schließlich sind derzeit noch rund 5000 Wohnungen unsaniert. So soll vor allem ein Rückbau von Quartieren erfolgen. Er könnte sich unter anderem vorstellen, Elfgeschosser auf drei Geschosse abzutragen. Außerdem sei es möglich, vereinzelt ganze Häuserblöcke zu entfernen. Er denkt dabei besonders an die in Marzahn verbreiteten bis zu 300 Meter langen „Wohnschlangen“, die einst aus dem Boden gestampft wurden. Dort könnte gelichtet werden, ist Dobberke überzeugt. „Aber immer mit der Absicht, das Wohngebiet attraktiver zu machen“, betont er. Man wolle dafür beispielsweise Gelder aus dem Programm „Stadtumbau Ost“ einsetzen.

Zurzeit ist lediglich ein Abrissantrag für ein Doppelhochhaus mit 296 Wohnungen an der Marzahner Marchwitzastraße 1/3 gestellt. „Es könnten in den kommenden Jahren aber weitere folgen“, sagt der Geschäftsführer. Gemeinsam mit dem Bezirksamt werden momentan Pläne für konkrete Rückbauvorhaben in der Großsiedlung erarbeitet. Steffi Bey

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben