R’n’BBeyoncé : Der schmale Grat

Dass Beyoncé Knowles einer der größten Popstars der Gegenwart ist, dürfte unbestritten sein. Ohne auffällig inszenierte Skandale kann sie sich seit gut einem Jahrzehnt an der Spitze behaupten, und das im stark umkämpften Feld zeitgenössischer R’n’B- und Dancefloor-Klänge gegen Konkurrenz wie Rihanna und Lady Gaga. Selbstredend ist dieser Erfolg auch das Resultat einer ausgeklügelten Strategie, mittels derer aus dem Teeniestar der Girlgroup Destiny’s Child ein gleichermaßen für Heranwachsende wie für Erwachsene attraktives Konsumangebot geformt wurde. Doch dieser Plan wäre kaum aufgegangen, wenn Beyoncé nur ein exquisit gekurvter Kleiderständer für Haute Couture oder extravagante Fußverlängerungen (Foto) wäre.

Tatsache ist: Die Frau ist nicht nur eine disziplinierte, wandlungsfähige, unermüdlich sich selbst optimierende Performerin. Sie hat auch eine Wahnsinnsstimme, und sie weiß sie in den meisten Fällen so einzusetzen, dass es nicht nervt. Manchmal überdehnt sie ihre virtuosen Melismen etwas ins Whitney-Houston-Fach, aber das ist bei R’n’B-Powerballaden unvermeidlich. Trotz allem sind 120 Millionen verkaufte Tonträger und 17 Grammys nur ein Teilaspekt des Rundumpakets Beyoncé. Vielmehr steht die 31-Jährige mit ihrem Gatten Jay-Z im Zentrum der derzeit erfolgreichsten Kapitalisierungsmaschinerie der Popkultur. Geschickt auf einem schmalen Grat zwischen Pathos und Kommerz wandelnd, im einen Moment die US-Nationalhymne bei Obamas Amtseid oder beim Superbowl schmetternd und sich im nächsten an einen schwedischen Bekleidungskonzern verkaufend, ist Beyoncé eine Hälfte des ersten Milliarden-Dollar-Paares der Popmusik. Glückwunsch!Jörg Wunder

O2 World, Do/Fr 23./24.5., 20 Uhr, ausverkauft

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