Zeitung Heute : RoboCleaner: Vorsicht, Saug-Roboter

Annette Bolz

Von wegen selbst die Wohnung saugen. Einfach einen runden Roboter im Plastikgehäuse auf den Boden setzen, einen Knopf drücken und wupps! ist der Teppich sauber. Damit scheint sich ein Traum zu erfüllen, der so alt ist wie die Menschheit: Der Traum, dass Arbeit sich von selbst erledigt. Im Herbst kommen die ersten Roboter auf den Markt, die selbstständig die Wohnung staubsaugen können.

Das hässlichste Modell ist der "Trilobit" von Electrolux. Er ist rund und soll zunächst in zwei Farben ausgeliefert werden: dunkelrot und grün-türkis, sagt Firmensprecher Ulrich Gartner. Seine Höhe schätzt er auf etwa 20 Zentimeter: "Damit er auch unter Betten kommt". Der Durchmesser liege bei rund 35 Zentimeter. Kosten soll die Saugmaschine etwa 1500 Euro, ab Januar 2002. Schicker, weil weniger an Branchen-übliches Haushaltsdesign erinnernd, sieht der gelb-graue "RoboCleaner" von der Firma Kärcher aus. Er ist ebenfalls rund, aber viel flacher (9,8 Zentimeter) und kleiner (28,5 Zentimeter). Daher kann er in Nischen fahren, die enger sind und unter Betten kriechen, deren Beine recht kurz geraten sind. Zudem ist er günstiger: Zwischen 1500 und 2000 Mark soll das Gerät kosten.

Der König unter den saugenden Kobolden ist der "DC06" von Dyson. Preis: etwa 7500 Mark. Dafür erwirbt man aber auch jede Menge Technik: 50 verschiedene Sensoren, drei Prozessor-Einheiten und ein beutelloses Saugsystem. Dieses mit Platinen vollgestopfte Werk der Ingenieurskunst (33 Zentimeter breit, 37 lang, 20 hoch) soll ab September im Handel sein. Alle drei Roboter schleichen über den häuslichen Fußboden - so schnell wie ein mit der Hand geführter Sauger sind sie nicht. Der "RoboCleaner" fährt gleichmässig und ruhig, wie ein Spielzeugauto, das sich vorsichtig durchs Kinderzimmer tastet. Der "DC06" hingegen ruckelt bei seiner Fahrt wie ein Kleinstpanzer, besonders wenn er mitten auf dem Teppich wendet. Auch der "Trilobit" bewegt sich langsam - wie der "RoboCleaner" quält er sich mit etwa 10 Zentimetern pro Sekunde über den Schmutz. Nur der teure "DC06" schafft 45 Zentimeter in der Sekunde.

Einzusetzen sind die Saugroboter nur bedingt. Frank Schad, Pressesprecher von Kärcher, räumt ein, dass Roboter nicht geeignet sind für "Sofas, Polster, Autoinnenräume und Treppen". Denn keiner der Plastik-Töpfe kann Armlehnen, Sitzflächen oder Stufen hochklettern. Nur ebene Flächen kommen als Einsatzort in Frage.

Auch langhaarige Flokatis lassen die Roboter verzweifeln: Die bei allen Modellen vorhandene Bürste zum Staubaufwirbeln könnte sich verheddern, und der Heinzelmann steckt fest. Zudem kommen alle drei Geräte nur in solche Nischen hinein, die breiter sind als sie selbst. Ist die Wohnung verstellt mit Tisch-, Stuhl- und Menschenbeinen, streiken alle.

Der "RoboCleaner" ist für den nächtlichen Einsatz gedacht. Mit seinen 18 Watt soll er ganz leise durch die Wohnung tuckeln, während sein Besitzer schläft. Er fährt ziellos durch die Zimmer, bis er auf ein Hindernis trifft. Dann meldet sein Kontaktsensor, dass eine Richtungsänderung vonnöten ist: Das Gerät wählt dann mittels eines Zufallsgenerators eine andere, völlig beliebige Richtung aus. Beim Fahren wirbelt seine Kehrwalze Staub auf, die Turbine saugt den Schmutz weg. Eine Lichtschranke im Saugkanal kontrolliert dabei, wieviel Schmutz sich im Sauggut findet. Bei hoher Staubdichte fährt er die betreffende Stelle ein paar Mal fächerartig ab, bis der optische Sensor ihm Sauberkeit signalisiert. Dann fährt er weiter, bis er auf das nächste Hindernis trifft und abermals die Richtung ändert.

Geht dem "RoboCleaner" zwischenzeitlich die Energie aus oder wird sein Staubbeutel zu voll, fährt er selbstständig zu seiner Mutterstation, indem er dem Infrarot-Leitstrahl folgt, lädt seine Beute dort ab und tankt gleichzeitig neue Energie. Weil der "RoboCleaner" nicht sehen kann, wo Schmutz liegt und weil der Zufall bestimmt, welchen Weg er nimmt, "könnte es vier Stunden dauern, bis er eine bestimmte Ecke saugt", sagt Frank Schad. "Man darf dem Gerät auch nicht beim Reinigen zuschauen, denn wenn ein Krümel auf dem Teppich liegt, kann es sein, dass er 20 Mal vorbeifährt". Doch innerhalb einer Stunde schaffe der "RoboCleaner" 15 Quadratmeter mit einer "Abdeckung von 99 Prozent".

Der "Trilobit" ist für den Einsatz tagsüber gedacht: Die Saugzeit (zwischen zehn und 30 Minuten) lässt sich festlegen. Mit seinen Ultraschallsensoren verhindert er Kollisionen mit Menschen oder Möbeln, navigiert nach dem Zufallsprinzip, auch bei Treppen. Weil sein Echolot-System nicht bei abwärts gehenden Stufen funktioniert - bei einem Abgrund wird kein Echo des Schalls zurückkommen - wird er die oberste Stufe hinunterfallen. Dort wird sein Kontaktsensor signalisieren, dass der Rückwärtsgang eingelegt werden sollte.

Der "DC06" fährt nicht nach dem Zufallsprinzip. Vielmehr legt er sich eine innere Landkarte der Wohnung an. Dazu fährt er zunächst den äußeren Rand des Zimmers ab. Diesem Muster folgt er dann in immer kleiner werdenen Spiralen, bis er schließlich die Zimmermitte erreicht hat. Störenfriede auf dem Teppich unterscheidet der "DC06" genau: Infrarotsensoren und Bewegungsmelder sagen ihm, ob das Objekt lebendig oder tot ist. Bei einem Überraschungsangriff durch einen Hund beispielsweise stoppt der Roboter sofort und lässt das rote Lämpchen seines "Stimmungsindikators" leuchten. Dann wartet der "DC06" reglos ab, bis man ihn wieder einschaltet. Tote Gegenstände hingegen werden einfach umfahren, das Gefühlslämpchen glüht dabei grün. Dreck allerdings erkennt der "DC06" nicht. Daher könnte auch der Platinen-Protz unsauber arbeiten. Schließlich fährt er die zuvor errechnete Strecke nur einmal ab, bei heftigem Schmutz könnte das einmalige Drübersaugen jedoch nicht ausreichen. Schön ist allerdings, dass er planvoll auf seine Umgebung reagiert - das ermöglicht wundervolle Kampfspiele zwischen Kleinkind und dem Kunststoff-Heinzel.

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