Zeitung Heute : Rock it: Wo die Musik in Büchern spielt

Gregor Dotzauer

Am Anfang befinden sich noch überall Maulwurfsgänge. Die ersten bewusst gelesenen Bücher, die ersten Filme, die ersten Platten - das sind Erfahrungen, die untereinander direkt verbunden sind. Bis man sich spezialisiert. Und bis man erkennt, dass die Welt, von Wörtern aus betrachtet, tatsächlich anders aussieht als von Bildern oder Klängen aus. "Riff" führt Literatur, Kino, Pop und Jazz auf der Suche nach den "Tonspuren des Lebens" noch einmal zusammen. Entstanden ist ein kluges Buch mit 24 Kapiteln, die den Bogen schlagen von "Velvet Underground" zu "The Clash", von Joni Mitchell zu Techno - und von Thomas Mann zu Rainald Goetz. Thomas Steinfeld beschreibt die Wahlverwandtschaft von Julio Cortázar und Charlie Parker, Michelangelo Antonioni und Pink Floyd, und er stiftet selber Bezüge, wenn er etwa die Gemeinsamkeiten von Bob Dylan und Gilles Deleuze untersucht. Steinfeld, Jahrgang 1954, ist heute Literaturchef der FAZ und hat einmal Musikwissenschaft studiert. Doch das, worüber er schreibt, lernt man nicht in Seminaren: Es steckt einem im Gewebe, und es hat sich vielleicht sogar tiefer eingenistet als die Melodie von Sätzen, die einem auch nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. "Riff" ist eine Essaysammlung über die Erziehung des musikalischen Gefühls, so allgemein gehalten wie persönlich erlebt. Zu einem Buch wie diesen hat man nicht einfach die Idee. Es ist der persönliche Wahnsinn, der es einem diktiert. Schön, dass Thomas Steinfeld sich ihm ausgeliefert hat.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!