ROCK Placebo : Schüttel dein Haar für uns

Marilyn Manson hatte die exhibitionistischeren Outfits. Trent Reznor war mit seinen Nine Inch Nails nihilistischer und todessehnsüchtiger. Und Billy Corgan von den Smashing Pumpkins hatte die wehleidigeren Texte. Doch niemand hat die Mischung aus Selbstentblößung, Härte und Fatalismus, die nach Kurt Cobains Suizid die Rockmusik der Neunziger prägte, so auf den Punkt gebracht wie Brian Molko. Der rehäugige Frontmann von Placebo wurde zum Role Model einer zwischen die Epochen gefallenen Generation. Mit Stefan Olsdal, seinem schwedischen Bassisten und Langzeitkumpel, hat Molko Hits wie „Nancy Boy“ oder „Every You, Every Me“ geschrieben: wohlfeile Hymnen zum postjuvenilen Haareschütteln und Fäuste-in-die-Luft-Recken.

Dass sich Molko bei seiner Selbstinszenierung als sexuell polyvalenter Paradiesvogel an naheliegenden Vorbildern wie David Bowie und Marc Bolan orientierte: geschenkt. Es hat noch nie geschadet, von den Besten zu lernen. Ein erfreulicher Nebeneffekt des beeindruckenden Erfolgs seiner Band, von deren über zehn Millionen verkauften Platten die meisten außerhalb ihrer britischen Heimat abgesetzt wurden, war auch, dass Glam Rock für eine jüngere Hörergeneration wieder interessant wurde. Man könnte glauben, dass der in Belgien geborene Molko mit 40 Jahren den Zenit seiner erotischen Ausstrahlung überschritten hätte. Doch weit gefehlt: Als gereifter Rocker mit unwiderstehlichem Augenaufschlag ist er so sexy wie selten zuvor. Und musikalisch läuft es auch ganz gut. Der Titel ihres siebten Studioalbums „Loud Like Love“ ist programmatisch: Es geht um die Liebe. Es geht um „Likes“ (im facebookkritischen „Too Many Friends“). Und laut ist es sowieso. Jörg Wunder

O2 World, Do 28.11., 20 Uhr, 40-54 €

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