ROCKKings of Leon : Glut des Südens

Jörg W er

Dass die Rettung des Stadionrocks aus der Country-Hochburg Nashville kommen würde, war nicht vorauszusehen. Aber von all den zu hoffnungsvollen Ami- Bands des 21. Jahrhunderts scheinen nur die Kings Of Leon das Durchhaltvermögen und den Stilwillen zu besitzen, in die Fußstapfen von R.E.M. zu treten. Die anderen haben’s vergeigt: Die Strokes blieben nach genialem Debütalbum in der Wiederholungsschleife hängen, die White Stripes sind zu sehr von Jack Whites launischem Temperament abhängig, die Killers zumindest vorübergehend an Eurodisco und Seventies-Trash verloren.

Dagegen haben Caleb, Nathan und Jared, die Söhne des Wanderpredigers Leon Followill, und ihr Cousin Matthew seit dem furiosen Debüt, das ihnen 2003 den ehrenhaften Vergleich „Southern Strokes“ eingebracht hat, die Messlatte immer höher gelegt. So war schon ihr drittes Album „Because of the Times“ ein Meisterwerk zeitgenössischen Gitarrenrocks, das die Glut des Südens mit der Schroffheit der Chicagoer Hardrock-Schule vereinte. Selbst die unvermeidlichen Nebenwirkungen des Ruhms mit Drogen, Groupies und Zwist konnten den Followill-Clan nicht nicht von seinem Welteroberungsplan abbringen. Das aktuelle Werk destilliert das bislang Erreichte zu elf großartigen Songs, an denen kein Gramm Fett zu viel ist. Und Caleb raunzt dazu mit der sexiesten Rockstimme der Gegenwart. „Only by the Night“ ist die erfolgreichste Platte des letzten Jahres in England und Australien, wo sie in 20 000er-Hallen auftreten. Logisch, dass die Columbiahalle – für die Kings quasi ein Clubkonzert – seit Wochen ausverkauft ist. Jörg Wunder

Columbiahalle, Mo 23.2.,

20 Uhr, ausverkauft

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