ROCKThe Death Weather : Keine halben Sachen

Jörg W er

Bei Jack Whites beängstigendem Arbeitspensum wartet man fast darauf, dass er mal was in den Sand setzt. Okay, sein Bond-Titelsong mit Alicia Keys war nicht so der Bringer, scheiterte aber ehrenhaft. Doch sonst war bislang von den sich stets mit minimalen Stilmitteln neu verpuppenden White Stripes über souveräne Ausflüge in Country und Folk bis zum majestätischen Heavy-Blues der Raconteurs alles vom Feinsten.

Und jetzt The Dead Weather: Geboren wurde die neue Indie-Supergroup aus einer Notlage, als Jack White bei einer Raconteurs-Tournee die dauerbelasteten Stimmbänder versagten und Alison Mosshart, ihrerseits Sängerin der Vorband The Kills, aushalf. Der kreative Funke sprang so heftig über, dass man Raconteurs-Bassist Jack Lawrence und den unter anderem bei Queens Of The Stone Age beschäftigten Dean Fertita ins Boot holte und eine Single aufnehmen wollte. Daraus wurde gleich ein komplettes Album: Halbe Sachen macht Jack White nicht. Bei The Dead Weather nimmt er am Schlagzeug Platz, wo er mit John-Bonham’eskem Powergetrommel seiner Vorliebe für Led Zeppelin frönt. Erstaunlich, dass sich White wieder mal als Teamplayer erweist und keine Anstalten macht, seine Partner an die Wand zu drücken. Im Gegenteil: Mosshart entfaltet sich nicht nur als wie immer großartig laszive Sängerin, sondern auch als Co-Autorin der meisten Songs, Fertita spielt knurrend verzerrte Gitarrensoli und Lawrence ist der leicht zu unterschätzende Sideman, dessen vibrierende Bassläufe aber erst die grindigen Bluesrock-Mutationen zum Grooven bringen. Chapeau, Jack White: Schon wieder alles richtig gemacht! Jörg Wunder

Astra Kulturhaus, Mo 2.11., 20 Uhr, 24 € + VVK

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