ROCKTu Fawning, Deerhoof, Esben & The Witch : Dunkel ist die Sonne

Es herrschen finstere, freudlose Zeiten, wenn man einigen aktuellen Trendparametern der Rockmusik glauben möchte. Wo die ganzen Hexen-Hopper, Albtraum-Popper oder Düster-Barden nun hergekrochen kamen, lässt sich kaum noch mit Bestimmtheit sagen. Doch sie sind gekommen, um zu bleiben. Gleich drei Vertreter dieser bis in feinste Stilverästelungen ausdifferenzierten Spezies treten nun zum Musikbühnen-Saisonabschluss in der Volksbühne auf. Deerhoof aus San Francisco, gegründet 1994, sind im direkten Vergleich so etwas wie Veteranen, aber ihr knochenknackender Weiß- der-Geier-Core hat in all den Jahren nichts an fahl schillernder Pracht eingebüßt. Das Gekreische von Sängerin Satomi Matsuzaki ist legitimes Vorbild für alle Megären der Neuzeit, ihre Kollegen entfachen dazu das adäquate Klanginferno.

Schon qua Namensgebung haben sich Esben & The Witch an die Spitze der Bewegung katapultiert. Ein Versprechen, das das Trio aus Brighton erst mal einlösen muss. Doch die verhallten, mürrischen Gothic-Rock-Exerzitien ihres Debütalbums „Violet Cries“, auf dem sie laut BBC wie ein dunkel eingefärbter Verwandter von The XX klingen, weisen in die richtige Richtung. Eine originelle Spielart uneuphorischer Rockmusik pflegen Tu Fawning (Foto): Mit halbakustischem Instrumentarium meuchelt das Quartett um Menomena-Mann Joe Haege und Sängerin Corrina Repp Lieder, die bei weniger gegen den Strich gebürsteter Behandlung durchaus das Zeug zu Arcade-Fire-artiger Hymnenhaftigkeit hätten. Heraus kommt eine seltsame Spukmusik von morbider Schönheit, die einem unruhige Nächte bescheren kann. Knusperhäuschen-Vaudeville-Folk. Völlig gaga, aber toll. Jörg Wunder

Volksbühne, So 10.7., 20 Uhr, 22 €, erm. 18 €

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