Rohstoffe für Elektroautos : Suche nach den seltenen Schätzen

Noch gibt es genug Rohstoffe für den Bau von Elektroautos. Aber wie lange noch? Eine Lösung: Recycling.

Es werden vor allem Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan und Graphit für die Batterien sowie Kuper und Metalle der so genannten Seltenen Erden für die Elektromotoren gebraucht.
Es werden vor allem Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan und Graphit für die Batterien sowie Kuper und Metalle der so genannten...Illustration: Sabine Israel für den Tagesspiegel.

Könnte ein Mangel an Rohstoffen die Elektromobilität bremsen? Der Bundesverband der Deutschen Industrie jedenfalls schlug jüngst Alarm und warnte vor einer Abhängigkeit von Rohstofflieferungen aus dem Ausland. Tatsächlich habe Deutschland keine nennenswerten Abbaustätten, sagte Helge Wendenburg, Abteilungsleiter Ressourcenschutz im Bundesumweltministerium, am Rande einer Konferenz zur nachhaltigen Nutzung von Rohstoffen. Das sei aber bei allen Rohstoffen so. „Es ist sicher nicht der Fall, dass uns die Chinesen, Peruaner oder Chilenen die nicht verkaufen werden“, ergänzte Wendenburg mit Blick auf Rohstoffe für die Elektromobilität.

Gebraucht werden Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan und Graphit für die Batterien sowie Kupfer und Metalle der sogenannten Seltenen Erden für die Elektromotoren. Bei Kobalt und Lithium steigen sie Preise mit der Nachfrage. Letzteres ist innerhalb weniger Jahre doppelt so teuer geworden, und der Bedarf wird sich in den kommenden 15 bis 20 Jahren verzehnfachen. „Die Frage ist, in wieweit die Produzenten auf die aktuell stark steigende Nachfrage reagieren können“, sagte Torsten Brandenburg von der Deutschen Rohstoffagentur (Dera). „Bis 2025 gehen wir davon aus, dass es ausreichend Lithium auf dem Markt geben wird. Das zeigen fünf von sechs Szenarien, die wir gerechnet haben.“ Was danach komme, könne man noch nicht abschätzen. Auch in Deutschland könnte es sich bei steigenden Lithium-Preisen lohnen, das Metall abzubauen, meint Brandenburg. Lagerstätten befinden sich beispielsweise im Erzgebirge. Die dort vorhandenen Mengen seien jedoch eher gering. Auch das Metall Kobalt hat sich die Dera genauer angeschaut. Amnesty International hatte 2016 angeprangert, dass internationale Konzerne zu wenig gegen Menschenrechtsverletzungen in den Minen der Demokratischen Republik Kongo tun; von dort kommen rund 60 Prozent des weltweit genutzten Kobalts. Das Problem sind vor allem kleine Minen, die kaum überwacht werden. Es sei unstrittig, dass dort eine signifikante Anzahl von Kindern beschäftigt ist, heißt es im Bericht der Dera. Die gestiegenen Weltmarktpreise hätten sogar zu einer Ausweitung dieses Kleinbergbaus geführt, der eine wichtige Lebensgrundlage für die Bevölkerung im Ostkongo sei.

Vom Gewicht her ist der wichtigste Rohstoff in Batterien: Graphit

BMW hat jetzt angekündigt, mit dem Start-up Circulor zusammenzuarbeiten, das den Weg von Kobalt zurückverfolgen kann. Circulor gibt dafür Kobalt aus Australien, Kanada oder industrieller kongolesischer Produktion einen Barcode. Dieser wird in eine Blockchain – eine Liste verketteter Datensätze – geschrieben, die nicht manipuliert werden kann. Gleichzeitig wird daran gearbeitet, den Einsatz von Kobalt in Batterien zu verringern. Denn hier könnte bis 2050 tatsächlich eine Knappheit eintreten, weil die Nachfrage zweimal so hoch sein könnte wie die heute bekannten Reserven, hat das Helmholtz-Institut Ulm berechnet. Als Ersatzstoff kommt Nickel in Frage. „Wir untersuchen gerade, wie sich das auf den Nickelmarkt auswirkt“, sagte Brandenburg. Im Gegensatz zu den eher geringen Mengen Lithium (33 000 Tonnen) und Kobalt (100 000 Tonnen), die jährlich gefördert werden, ist Nickel mit zwei Millionen Tonnen jährlich bereits ein Massenmarkt. Das gilt auch für Mangan mit rund 18 Millionen Tonnen jährlich, das ebenfalls in Batterien steckt. Vom Gewicht her ist der wichtigste Rohstoff in Batterien Graphit, das aus geologischer Sicht ebenfalls nicht knapp ist. Graphit wird jedoch vor allem in China gefördert; entsprechend hoch ist die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft. Das trifft auch auf die Metalle der Seltenen Erden zu, die – missverständlich – meist einfach als Seltene Erden bezeichnet werden. Sie werden für Elektromotoren gebraucht und kommen nur in kleinen Mengen in Mineralien vor. Was ihr Recycling angeht, verharren die Prozesse noch im Labormaßstab, bemängeln die Autorinnen des Buches „Seltene Erden. Umkämpfte Rohstoffe des Hightech-Zeitalters“. Matthias Buchert vom Öko-Institut fordert, Recyclingsysteme für Energiewendematerialien aufzubauen. Das wäre im Sinn der UN-Nachhaltigkeitsziele. In ihnen haben sich alle Staaten verpflichtet, verantwortungsvoll mit den Ressourcen der Erde umzugehen.

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