Zeitung Heute : Roll it: Wenn das Kondom Literatur wird

Alexander Haas

Was Nettes aus Amerika: ein Condom-Reader. "Roll ihn rüber" (Getting it on) heißt diese kurzweilige Anthologie. Zwar haut es mit der Beteuerung, dass in allen Short Stories und Romanausschnitten das Kondom im Mittelpunkt stehe, nicht so ganz hin. Aber das mindert das Lesevergnügen nicht. Der Band lockt mit einigen der besten und bekanntesten englischsprachigen Autoren: mit T. C. Boyle, Armistead Maupin, John Irving, Anne Rice und Martin Amis, aber auch mit hier zu Lande weniger bekannten Namen wie Cathryn Alpert, Binnie Kirshenbaum oder Hester Kaplan. Sie alle haben witzige, einfühlsame und manchmal ein wenig peinliche Stories vom Kondomleben in den Zeiten von Aids zu erzählen: Wer denkt eigentlich noch an Verhütung? William Feustle etwa erzählt von einem Typen, der nach dem Sex darüber sinniert, was so alles passieren könnte, wenn ein aufgeblasenes Kondom das Abwassersystem lahm legt. Bei Michelle Chalfoun beginnen die Probleme schon beim Kaufen von Kondomen. Abenteuer über Abenteuer. Nur auf die Gedichte aus der Originalausgabe müssen deutsche Leser leider verzichten: Sie konnten, heißt es, nicht sinngemäß übersetzt werden.

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