ROMANVORSTELLUNGGyörgy Dalos : Überleben in Ungarn

Noemi Hahnemann

Sein Werk teilt sich in ein erzählendes und in ein zeitgeschichtliches. Zu letzterem gehören Bücher wie „Archipel Gulasch“, in dem György Dalos seine Erfahrungen als ungarischer Dissident festhielt, oder „Der Vorhang geht auf – Das Ende der Diktaturen in Osteuropa“, für das er 2010 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhielt. Zu ersterem gehört vor allem eine autobiografische Trilogie – und nun „Der Fall des Ökonomen“ (Rotbuch). Ein Roman, der sich auch nicht ohne schelmischen Rückgriff auf den eigenen Lebensstoff denken lässt. Für Gábor Kolozs, einen in Moskau augebildeten Ökonomen, stellt sich zur Jahrtausendwende in Budapest die Existenzfrage. Am Grab seines Vaters, der den Holocaust überlebt hat, erkennt er, dass er auf dessen Wiedergutmachungszahlungen angewiesen ist – und verschweigt den Tod geflissentlich. Doch als der 100. Geburstag des „letzten Überlebenden“ gefeiert werden soll, kommt er in Bedrängnis.

György Dalos’ eigener Vater überlebte die Rückkehr aus dem Arbeitslager, in das man ihn seiner jüdischen Herkunft wegen geschickt hatte, nur kurz. Er starb 1945. Dalos studierte von 1962 bis 1967 in Moskau Geschichte. Seine Liebe zur deutschen Sprache datiert übrigens aus der Zeit, als er Privatunterricht bei einer Dame erhielt, die ihn mit Weimarer Klassik traktierte, obwohl er sich viel mehr für Heinrich Heine interessierte. Als 1956 die sowjetischen Panzer durch Budapest rollten, las er „Deutschland – Ein Wintermärchen“. Lerke von Saalfeld stellt den Roman in einer Veranstaltung des wegen Renovierung derzeit ausgelagerten Literaturforums zusammen mit dem Autor vor. Noemi Hahnemann

Palais am Festungsgraben,

Di 3.7., 20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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