Zeitung Heute : „Ronaldo ist entschieden zu pummelig“

Manfred „Manni“ Breuckmann ist der bekannteste deutsche Radioreporter. Die Stimme des Ruhrpotts fing 1981 an und wurde im Laufe der letzten 25 Jahre mit Psychogrammen aus Bochum, Dortmund und Schalke zum Markenzeichen der Schlusskonferenz. Breuckmann kennt sich also aus und weiß: Brasiliens Stürmerstar Ronaldo muss noch mal ins Fitnesszentrum.

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Manni Breuckmann, Sie sind als Radioreporter ein alter Hase im WM-Geschäft. Da geben Sie für den Nachwuchs doch sicher gerne mal den Erzählpapa?

Nostalgie ist gefährlich. Kann schon sein, dass die jüngeren Kollegen sagen: „Ach, da kommt der Manni! Der erzählt bestimmt wieder von der WM 1982.“ Und das will ich unbedingt verhindern! Ich lebe schon im Hier und Jetzt. Aber angesichts der Informationsflut, die wir mittlerweile haben, kann man nostalgisch werden.

Sie werden sicher überschüttet.

Über alle 736 Spieler bekomme ich Fakten in so genannten WM-Basismappen, über jede Mannschaft 40 Seiten mit allerlei statistischen Details. Ich erinnere mich noch: Bei der WM 1982, jetzt rede ich schon wieder davon, war das Einzige, was ich hatte, das „Kicker-Sonderheft“. Das war’s! Und trotzdem hat sich niemand über meine Reportagen beschwert.

Der Fußball hat sich verändert.

Ich muss doch noch mal auf 1982 zurückkommen: Das war zum Teil grausam, was ich da gesehen habe. Es gab auch viele torlose Spiele mit defensivem Fußball, es wurde unheimlich gemauert! Heute habe ich den Eindruck, dass die meisten Mannschaften nach vorne spielen wollen. Das ist schon ein erheblicher Fortschritt.

Ihr schönster Moment in all den Turnieren, die Sie erlebt haben?

Ich war sehr beeindruckt von der unbändigen Freude der Franzosen, als sie die Brasilianer im Finale 1998 mit 3:0 weggehauen haben. Das war Klasse! Als absoluter Gegensatz ist mir das Skandalspiel von Gijon zwischen Deutschland und Österreich in Erinnerung. Das habe ich als persönliche Beleidigung empfunden. Ich musste 90 Minuten übertragen, und im Radio musst du ja immer sprechen! Dann spielten die nur Quer- und Rückpässe, und man konnte überhaupt nichts schildern, nur fluchen über diesen Mist, den die da spielten.

Der junge Manni Breuckmann hatte doch sicher auch Vorbilder. Welchem Kicker haben Sie nachgeeifert? Katsche Schwarzenbeck?

Uwe Seeler! Seine Kopfbälle, seine Rückzieher, das war Klasse! 1962 habe ich tatsächlich vor dem Radio gesessen und geheult, als die deutsche Mannschaft mit Seeler im Viertelfinale gegen Jugoslawien aus dem Turnier flog.

Welcher Spieler wäre es heute?

Ganz eindeutig Brasiliens Ronaldinho. Der ist einfach der Maßstab, eine Klasse für sich.

Kann er es in diesem Turnier schaffen, zu den Großen aufzusteigen, zu Pelé, Beckenbauer, Maradona?

Ja, ganz sicher. Neben seinen technischen Fähigkeiten ist sein Vorteil, dass er sich eine gewisse Unbeschwertheit bewahrt hat. Er lacht immer, und zwar weil er Spaß hat. Ich hoffe, dass er den behält.

Apropos Brasilien: Täuschen wir uns oder ist Ronaldo zu dick?

Er ist ein Pummelchen. Vielleicht macht er ja Werbung für Nutella. Ich habe starke Zweifel, ob er ein großer Spieler dieses Turniers wird. Er ist entschieden zu pummelig.

Gehen wir die anderen Stars mal durch. Ist Zidane zu alt?

Zidane ist zu alt. Er hat ja erzählt, er habe nachts Stimmen gehört, die gesagt hätten, dass er den Rücktritt vom Rücktritt machen soll. Es wäre wohl besser gewesen, wenn er sie überhört hätte. Ich glaube nicht, dass er eine große WM spielen wird.

Und schließlich das ewige deutsche Thema: Ist Ballack gut genug?

Ballack ist ein guter Junge – vor allem wegen seiner Torgefährlichkeit und seiner Kopfballstärke. Ob die deutsche Mannschaft gut genug ist, ist eine andere Frage. Aber Michael Ballack ist gut genug. Leider wird er allein es nicht schaffen können.

Was ist schlimmer: Wenn die Deutschen rausfliegen, oder wenn sie schlecht kicken und Weltmeister werden?

Ich bin ein Vertreter des schönen Fußballs, obwohl man ein Träumer ist, wenn man glaubt, dass nur schöner Fußball Erfolg bringen kann. Aber ich fände es überhaupt nicht gut, wenn sie mit miesem Fußball und mit Glück Weltmeister würden. Dann sollen sie lieber mit fliegenden Fahnen untergehen.

Stellen Sie sich vor, Deutschland steht im Finale und es kommt zum Elfmeterschießen. Wer muss ran?

Ich würde sagen (spricht in Kölschem Dialekt): Den Elfer muss der Podolski machen. Dat ist klar! Wichtig ist: Für entscheidende Elfmeter darf man nicht zu intellektuell sein. Andi Brehme hat ihn 1990 ja auch souverän reingemacht.

Hand aufs Herz, Herr Breuckmann: Würden Sie sich zu diesem entscheidenden Elfmeter melden?

Nein, ich würd’s nicht machen! Ich hätte Schiss, würde weggucken und über die Körpersprache signalisieren: „Nee, den mach ich nicht.“ Ich habe mal krass versagt bei der Stadtmeisterschaft im Tischtennis vor vierzig Jahren.

Das Gespräch führte

Dirk Gieselmann.

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