Rostocker Eiche : Im Widerstand gegen die Haselnuss

Zum ordentlichen Programm eines erfüllten Mannseins gehört bekanntlich auch die Anpflanzung eines Baumes. Selbstredend hat der Mittfünfziger, das bringt das fortgeschrittene Alter mit sich, auch schon Bäume gepflanzt. Sogar Eichen. Sogar in Brandenburg. Das ist schon ein paar Jahre her, und zu ahnen war damals nicht, dass diese Pflanzung eine Verhöhnung und ein Schlag ins Gesicht aller Opfer der faschistischen Schweinebande war. Seit Montag ist das nun klar. Seit Montag die „Arbeitsgruppe antifaschistischer Fuchsschwanz“ in Rostock-Lichtenhagen die vor dem Sonnenblumenhaus gepflanzte Eiche fällte, fällt es dem Mittfünfziger wie Schuppen von den Augen. Er hat damals das „Symbol für Deutschtümelei und Militarismus“ in die Erde gebracht und zum Leben gegossen. Als ob das nicht schlimm genug wäre, auch noch mit der rechten Hand, aus purer Gedankenlosigkeit als Rechtshänder. Den Aktivisten von Rostock, die die Eiche als Mahnbaum gegen den Rassismus nicht hinnehmen konnten, die deswegen zur mutigen Tat schritten, muss man für diesen aufklärerischen Akt danken.

Dabei diente die Eiche auch schon mal als Schutzwall vor dem US-amerikanischen Imperialismus. Das war bei den Galliern, als der schlaue Miraculix einen Trank zusammenmixte, darin Eicheln tunkte, die sich dann, auf den Boden geworfen, binnen eines Sekundenbruchteils zu ausgewachsenen Eichen aufschwangen. Das römische Heer, als Vertreter des US-amerikanischen Imperialismus, war lahmgelegt, weil es ununterbrochen Eichen fällen musste, eigenhändig, die Arbeitsgruppe antifaschistischer Fuchsschwanz hatte sich damals noch nicht gebildet. Möglicherweise und richtigerweise hätten Asterix und Obelix der Arbeitsgruppe auch den antifaschistischen Fuchsschwanz um die Ohren gehauen und sie zurück in die Kita begleitet. Aber nun hat die Eiche ihren guten Ruf verloren, weil die Nazis sie auch gut fanden. Nur am Rande und weil die Olympische Flamme gerade noch brennt. Die fanden die Nazis auch sehr gut, haben sogar einen Fackellauf dazu erfunden. Wäre das nicht einmal etwas für eine „Arbeitsgruppe antifaschistischer Blasebalg“? Und noch zwei Fragen an die Widerstandskämpfer aus Rostock: Der Mittfünfziger hat außer den Eichen auch zwei Kirschbäume und drei Pflaumenbäume gepflanzt. War das korrekt? Oder muss man zum Ausgleich einen schwarzbraunen, also latent faschistoiden Haselnussstrauch ausreißen? Helmut Schümann

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