Zeitung Heute : Roter Teppich für Frauen

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Die Welt ist leider ungerecht. In vielen Branchen ist jeder zweite Mitarbeiter weiblich, aber die Chefs sind immer noch fast ausschließlich Männer. Sämtliche Umfragen dazu ergeben, dass neben der Babypause vor allem Vorurteile die Frauen am Aufstieg hindern. Das heißt im Klartext so viel wie: Die Kerle sind schuld, weil Hans am liebsten Hänschen heuert und befördert – und nicht Gretel.

Das stimmt, aber halt auch nur halb. Denn die Erwerbstätigenquote von Frauen liegt bei 58,4 Prozent, aber mehr als die Hälfte der 16 Millionen Arbeitnehmerinnen werkelt in nur fünf verschiedenen Jobs: im Büro als kaufmännische Angestellte, im nicht-ärztlichen Gesundheitswesen, als Verkäuferin, in den sozialen Berufen oder als Reinigungskraft. Dem weiblichen Anteil an der arbeitenden Bevölkerung fällt also oft von vorneherein nichts Besseres ein, als dahin zu gehen, wo sich Chefs ganz sicher niemals rekrutieren. In den neuen und hoch bezahlten Dienstleistungsberufen, in der Informations- und Kommunikationsbranche sind Frauen besonders selten. Viele Frauen vermeiden es offenbar aktiv, in die Gefahr zu geraten, Karriere zu machen.

Das zeigt sich auch an den Unis: An der Münchener Ludwigs-Maximilians-Universität sind knapp die Hälfte der Betriebswirtschaftsstudenten weiblich, an der Technischen Uni jedoch nur rund 25 Prozent. Der Grund dafür? Die BWL an der TU ist technisch orientiert. Das ist schade, denn in den auf der Schnittstelle von Technik und Business gibt es Jobs und Aufstiegschancen – gerade für junge Frauen. Viele Unternehmen haben nämlich kapiert, dass gemischte Teams erfolgreicher sind als uniforme Anzugträgergruppen und suchen händeringend nach Ingenieurinnen. Der Anteil der Mädels an den technischen Studiengängen steigt zwar, liegt aber immer noch nur um die 20 Prozent. Inzwischen vergeben Konzerne wie Hewlett Packard sogar Stipendien für ingenieurwissenschaftliche Frauenstudiengänge.

Der rote Teppich ist ausgerollt, jetzt müssen die Damen sich nur noch aufraffen, ihn auch zu beschreiten. Dem deutschen Mittelstand fehlen 11 500 Ingenieure, meldet ihr Bundesverband VDI. Bis die Studienanfängerinnen von heute ihren Diplom haben, könnten sie sich den Job wirklich aussuchen, denn die Generation Babyboomer geht in Rente und legt den Schraubenzieher aus der Hand. Der liegt dann herum und wartet auf die nächste Generation, die ihn aufhebt. Jetzt heißt es nur noch zugreifen.

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