Royale Hochzeitstorte : Je älter, je reifer, je besser?

Dass Engländer ziemlich spleenig sind, ist bekannt. Jetzt versteigern sie auch noch alte Buttercremetorten. Unser Kolumnist Helmut Schümann mag keine Buttercremetorte und steigert nicht mit.

Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Es sind jetzt schon dreieinhalb Jahre vergangen, dass sich Prinz William und Kate Middleton das Yes-Wort gegeben haben. Für Menschen mag das keine lange Zeit sein. Mein Gott, dreieinhalb Jahre, das sitzt sich so ab, vergeht doch im Flug (wenngleich Uli H. in Bayern das möglicherweise anders sieht, das nur am Rande), dreieinhalb Jahre, das ist unter normalen Umständen nichts. Da können die Windsors auf ganz andere Zahlen verweisen. Auf die 30 zum Beispiel. Im Jahr 2012 waren es 30 Jahre her, dass Prinz Charles seine Diana, Gott hab sie selig, ehelichte. Wenn man Brite ist, kann man dann schon auf den Gedanken kommen, dass es vielleicht eine gute Idee ist, die Hochzeitstorte von damals aus dem Schrank zu holen. Die Royals heiraten stets mit großem Aufwand, da werden sie sich auch nicht bei der Torte haben lumpen lassen. Gedacht, getan, 2012 wurde ein Stück der alten Hochzeitstorte versteigert, es brachte über 2000 Euro. Engländer eben. Und weil sie außerdem traditionsbewusst sind, wiederholen sie das Ganze jetzt noch einmal.

Acht Stockwerke hatte die für Prinz William und Kate Middleton kreierte Torte. 650 Gäste waren bei den Feierlichkeiten. Und weil es mit Sicherheit nicht nur hinterher Torte gab und die englische Küche bekanntlich viel besser ist als ihr Ruf, weil also ordentlich gemampft und gevöllt wurde, ließ sich einer der Gäste am Ende ein „doggy bag“ schnüren. Darin: ein Stück Torte. Außen Creme und weißer Zuckerguss, innen jede Menge Trockenfrüchte und noch mehr Brandy. Man kann sich vorstellen, dass das eine ziemlich klätschige Angelegenheit war, die nicht jedermanns Sache ist.

Der bei dem Fest vorzeitig gesättigte Gast rührte das Stück auch am Tage nach der Feier nicht an. Und in den Tagen danach auch nicht. Bis heute nicht. Ist es eigentlich bei Buttercremetorten wie beim Wein und Whiskey und bei Kolumnisten? Je älter, je reifer, je besser?

Das Auktionshaus Julien’s Auction versteigert das Stück in diesen Tagen, man taxiert es auf 1600 Euro. Warum es im Vergleich zur Torte von Prinz Charles und Diana nur zum Dumpingpreis angeboten wird, wurde nicht begründet. Wahrscheinlich, weil der Gammelzustand damals noch etwas weiter vorangeschritten war als beim jetzigen Backwerk. Der Meistbietende wird es in weißem Papier eingewickelt und in einer Blechdose lagernd heim ins „castle“ nehmen können. Warum? Weiß ich auch nicht, ich mag keine Buttercremetorte.

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