Ruderin Drygalla : Die zwei Gesichter

Die Ruderin Nadja Drygalla sieht sich durch die Öffentlichkeit unfair behandelt. Ist sie in die rechtsextreme Szene involviert – und welche Rolle spielt ihr Freund?

Es ist ein längeres Interview, das Nadja Drygalla der Nachrichtenagentur dpa gegeben hat und das nun auf seinen Wahrheitsgehalt hin untersucht wird. In dem Gespräch nach ihrer Abreise aus London äußerte die Rostocker Ruderin, sie habe ihrem Freund, dem Neonazi Michael Fischer, „klar gesagt“, dass sie seine Meinung nicht teile. Widerspruch kommt von Carina Bär, Silbermedaillengewinnerin im Doppelvierer. „Wir haben intern öfter darüber diskutiert, dass wir solche Haltungen nicht tolerieren“, sagte Bär gegenüber der Agentur dapd, „bei ihr war es ein offenes Geheimnis“. Die Agentur betont, Bär „unterstrich ausdrücklich, dass damit die politische Gesinnung Drygallas gemeint sei“. Weitere Athleten hätten dies bestätigt, wollten aber nicht zitiert werden.

Zweifelhaft bleibt auch, ob Drygallas Aussage, ihr Freund habe sich von der rechtsextremen Szene verabschiedet „und persönlich mit dieser ganzen Sache gebrochen“, mehr ist als die halbe Wahrheit. Es trifft zu, dass Fischer die NPD verlassen hat. Stefan Köster, Parteichef in Mecklenburg-Vorpommern, behauptet, Fischer sei „wegen seiner politischen Haltung verfolgt worden“ und nun „vor den Verfolgern eingeknickt“. Fischer war bei den Landtagswahlen 2011 in Rostock als NPD-Direktkandidat angetreten und bekam 3,9 Prozent.

Drygalla datiert den angeblichen Ausstieg ihres Freundes aus der rechten Szene auf den Mai dieses Jahres. Noch am 16. Juni erschien allerdings auf der rechtsextremen Website „Mupinfo“ ein Beitrag Fischers mit verächtlichen Szenevokabeln wie „linke Ausländerlobby“ und „linke Gutmenschen-Lobby“. Befragt von dpa zu diesem Text hat Fischer am Montag gesagt, „im Nachhinein sieht das doof aus“. Künftig wolle er nicht mehr für die Website schreiben.

Das Innenministerium in Schwerin betont, es habe „keine bestätigten Erkenntnisse“, dass Fischer das rechtsextreme Spektrum verlassen hat. Fischer gilt auch als führender Kopf der Gruppierung „Nationale Sozialisten Rostock (NSR)“. Mehrere NSR-Leute, darunter mutmaßlich Fischer, störten im Februar in Rostock eine Veranstaltung zum Gedenken an den Türken Yunus Turgut, den 2004 die Terrorgruppe NSU ermordet hatte. Zu dpa sagte Fischer, er habe mit seinen Taten der Freundin keinen Gefallen getan. Aber dass er seine Aktivitäten bereue, „würde ich nicht sagen“.

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