Rückenleiden : Das Kreuz mit der Gartenarbeit

Gartenarbeit macht Spaß und ist eine Wohltat für Körper und Seele. Leider endet jedoch so mancher Gartentag mit Rückenbeschwerden oder gar einem Hexenschuss.

Manuela Marin
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Sieht nicht gesund aus. Ein kürzerer Spaten wäre hier für den Rücken besser. Foto: ddp

 Um solchen unangenehmen Folgen vorzubeugen, ist es wichtig, sich die Bewegungsabläufe beim Gärtnern bewusst zu machen und möglichst rückenfreundlich zu gestalten.

Im Prinzip ist die Wirbelsäule so perfekt konstruiert, dass jegliches Bücken, Drehen und Wenden mühelos ausgeführt werden kann, wenn dabei die Muskelkraft der Arme und vor allem der Beine sinnvoll eingesetzt wird. Ein guter Arbeitsrhythmus mit regelmäßigen Entspannungspausen schützt vor Überlastung. Gelegentliches Schulterkreisen, Räkeln und auch Gähnen entspannt die Muskulatur.

Beim Gärtnern ist die Haltung von entscheidender Bedeutung: Alle Bewegungen sollten mit möglichst geradem Rücken verrichtet werden. Ein breiter Stand und gebeugte Knie sorgen dafür, dass die Beinmuskulatur die Arbeit übernimmt. Bei Tätigkeiten wie Schubkarre leeren, gießen oder harken kann die Haltung durch eine Schrittstellung stabilisiert werden. Gartengeräte mit ausreichender, eventuell sogar auf die Körpergröße individuell anpassbarer Stiellänge erleichtern die aufrechte Haltung des Rückens. Mit ihrer Hilfe können Kraft und Druck beim Graben, Hacken oder Harken optimal auf den Boden übertragen werden. Zur schonenden Lockerung des Erdreiches ohne großen Kraftaufwand hat sich die von Physiotherapeuten empfohlene Gartenkralle bewährt. Ihre gewundenen Stahlzinken schrauben sich durch drehende Bewegungen mit den Armen automatisch in den Boden, ohne dass die Pflanzen beschädigt werden.

Arbeiten am Boden wie Pflanzen oder Unkraut jäten lassen sich mühelos auf einem kleinen Hocker oder aus dem Kniestand erledigen. Auf dem Schemel sitzend, werden die Beine beckenbreit aufgestellt und der Rücken gerade nach vorne gebeugt. Beim Knien sind gut angepasste Knieschoner oder ein Schaumstoffkissen als Unterlage wertvolle Helfer. Da das häufige und lang andauernde Bücken beim Gärtner das größte Problem darstellt, sind Hochbeete praktisch. Sie ermöglichen es, alle Pflanz-, Pflege- und Erntearbeiten aufrecht stehend durchzuführen. Auch für Sortierarbeiten lohnt es sich, einen Tisch zu verwenden, um stehen zu können.

Oft fallen im Garten schwere Hebe- und Transportarbeiten an. Beim Bewegen schwerer Kübel, Gießkannen und anderer Gegenstände sollte die Kraft der Oberschenkel genutzt werden, indem ein Bein neben die Last gestellt wird und das Gewicht nahe am Körper aus den gebeugten Knien heraus mit beiden Armen angehoben wird. Gleichzeitig werden Bauch- und Pomuskeln angespannt. Drehbewegungen beim Heben sollten unbedingt vermieden werden. Der Transport erfolgt ebenfalls dicht am Körper mit beiden Händen und das Absetzen wieder durch Beugen der Knie und mit Hilfe der Beinmuskulatur. Auf einseitiges Tragen sollte verzichtet werden: Besser transportiert man z. B. statt einer ganz gefüllten zwei halb volle Gießkannen. Schub-, Sackkarren, Wasserschläuche und andere Hilfsmittel sollten so oft wie möglich die Arbeit erleichtern.

Verschwitzte Kleidung ist Gift für den Rücken. In Kombination mit Zugluft führt sie zu Verspannungen, die einen Hexenschuss auslösen können. Trockene, den Rücken bedeckende Funktionskleidung schützt den Gärtner vor diesen Problemen. Sollte der Kauf neuer Gartengeräte anstehen, lohnt es sich, ergonomische Varianten als Entlastung für den Rücken zu bevorzugen. Gebogene, ausreichend breite Griffe, geschwungene Stiele und Teleskopstiele schonen die gesamte Wirbelsäule. Empfehlenswerte Geräte sind mit dem AGR (Aktion Gesunder Rücken)-Siegel ausgezeichnet, das von einem Prüfgremium aus Orthopäden, Sportwissenschaftlern und Arbeitsmedizinern vergeben wird. Manuela Marin

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