Zeitung Heute : Rückschnitt bringt Fortschritt

Junge Bäume müssen erst einmal in Form kommen.

Allgemein wird der Winter auch dazu genutzt, bei Obstbäumen einen „Erziehungsschnitt“ oder – alle drei bis fünf Jahre – einen „Erhaltungsschnitt“ durchzuführen. Der Schnittzeitpunkt unterscheidet sich – je nachdem, ob es sich um Kernobst (Apfel, Birne, Quitte) oder um Steinobst (Süß- und Sauerkirsche, Pflaume, Aprikose, Reneklode, Mirabelle, Zwetschgen) handelt. Bleiglanz und Bakterienbrand sind zwei schwerwiegende Infektionen bei Steinobst. Um das Infektionsrisiko zu verringern, erfolgt im Gegensatz zum Winterschnitt bei Kernobst der Schnitt von Steinobst erst im späten Frühjahr oder im Sommer.

In den ersten Jahren nach dem Pflanzen ist der Erziehungsschnitt (Aufbauschnitt) wichtig, um eine gut entwickelte Hohlkrone zu schaffen. Er erfolgt bei Kernobst zwischen Spätherbst und Frühjahrsbeginn, bei Steinobst im Frühjahr. Dabei werden alle Konkurrenztriebe sowie zu dicht stehende Triebe entfernt. Auch Triebe, die auf den Oberseiten der Äste wachsen, werden entfernt. Anschließend schneidet man Mitteltrieb und Leitäste zurück. Die Stärke des Rückschnitts hängt von der Wuchsstärke ab. Sinn des Rückschnitts ist, möglichst alle Knospen entlang der Triebe zum Austreiben anzuregen.

In den folgenden Jahren erfolgt der Schnitt nach dem gleichen Prinzip. Dazu kommt, dass man an den Leitästen nach und nach Seitenäste erziehen muss. Als Faustregel gilt, je Leitast drei Seitenäste, die im 45-Grad-Winkel nach links, nach rechts und nach vorn gerichtet sein sollen. Beim jährlichen Erziehungsschnitt werden alle Konkurrenztriebe am Mitteltrieb sowie an den Leit- und Seitenästen entfernt. Auch steil aufrecht stehende Jungtriebe an der Oberseite der Äste werden abgeschnitten. Anschließend schneidet man alle Verlängerungstriebe von Stamm, Leit- und Seitenästen zurück. Allgemein gilt, schwache Triebe um die Hälfte, kräftige Triebe um ein Drittel zurückzuschneiden. Wichtig ist dabei immer, oberhalb einer nach außen gerichteten Knospe zu schneiden. Auf diese Weise bildet sich ein Baum mit gut aufgebauter Krone aus Mittelast, drei kräftigen Leitästen und zahlreichen Seiten- und Fruchtästen.

Äpfel und Birnen bilden vorwiegend an Kurztrieben Früchte, die sich an zweijährigem Holz bilden. Deshalb empfiehlt sich regelmäßig im Winter ein Verjüngungsschnitt, bei dem abgetragenes Holz durch junge Triebe ersetzt wird.

Winterschnitt ist auch bei älteren Kernobstbäumen wichtig, bei denen die Krone im Laufe der Jahre zu dicht geworden ist. Als Folge reifen die Früchte nicht aus, weil sie zu wenig Sonne erhalten. Dann ist das Auslichten der Krone notwendig geworden. Auch für den Pflanzenschutz ist das winterliche Auslichten wichtig. Lichte Kronen trocknen nach sommerlichen Regenfällen schneller ab, und die Feuchtigkeit liebenden Pilzkrankheiten finden weniger Angriffsfläche. Diese Arbeiten können bis in den März hinein erfolgen, sofern die Temperaturen nicht unter -5° C fallen. Zunächst werden alle dürren und kranken Äste entfernt. Anschließend schneidet man alle Äste heraus, die sich überkreuzen oder zu dicht auf anderen aufliegen. Ist die Krone sehr verwahrlost, muss kräftig ausgelichtet werden. Diese Arbeit verteilt man auf zwei bis drei Jahre, um die starke Bildung von Neutrieben, auch Wasserschosser genannt, zu reduzieren.

Ist der Baum überaltert, trägt nur noch kleine Früchte oder bringt kaum noch Neutriebe, dann erzielt man durch Auslichten keine vernünftige Krone. In diesem Fall sollte man den Baum radikal verjüngen. Dazu können starke Äste bedenkenlos um ein Drittel bis zur Hälfte auf nach außen stehende Nebenäste zurückgeschnitten werden. Die Krone hat danach die Form einer Pyramide. Größere Wunden, die durch Sägen entstanden sind, schneidet man an den Rindenpartien nach und bestreicht die Wunden mit Baumwachs. Diese Arbeit erfolgt bei Äpfeln und Birnen im Winter, bei Steinobst erst im Frühling oder im Sommer. Der Baum wird in der folgenden Saison sehr kräftig austreiben. Deshalb muss man im nächsten Winter (Kernobst), Frühling oder Sommer (Steinobst) mit dem Neuaufbau der Krone durch Auslichten beginnen. Dabei schont man alle flachen, nach außen zeigenden Triebe und schneidet alle nach innen gerichteten sowie steil aufwärts stehenden Triebe weg. Nun muss man in den folgenden Jahren nach dem oben beschriebenen Prinzip des Erziehungsschnittes dem Baum wieder eine luftige Krone geben, die reichlich Fruchtäste bildet.

Soll der Baum nicht so hoch wachsen oder in strenger Form bleiben, dann muss jedes Jahr geschnitten werden. Ist die gewünschte Form erst einmal erreicht, dann brauchen Bäume nur noch alle drei bis fünf Jahre einen Erhaltungsschnitt.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!