Zeitung Heute : Rückschnitt führt zum Fortschritt

Blütengehölze treiben stärker aus, wenn sie richtig eingekürzt werden.

Manche mögen keinen Schnitt. Natürlich schön ist der Wuchs bei Zaubernuss (Hamamelis) und Magnolie (Magnolia-Soulangiana-Hybriden); der Blumenhartriegel (Cornus florida) bildet ohne Schnitt fast etagenförmig angeordnete ebenmäßige Zweige. Foto: dpa
Manche mögen keinen Schnitt. Natürlich schön ist der Wuchs bei Zaubernuss (Hamamelis) und Magnolie...Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Winterzeit ist bestens für einen Schnitt der Ziergehölze geeignet. Regelmäßige Schnittmaßnahmen sind für viele Ziergehölze erforderlich, damit die Sträucher gesund bleiben und zu reicher Blüte angeregt werden. Ungepflegte Pflanzen mit zu dichtem Wuchs oder überalterten Zweigen sind nicht nur anfälliger für Krankheiten und Schädlinge, sondern bilden auch weniger Blüten. Aus diesen Gründen empfiehlt sich bei zahlreichen Ziergehölzen ein fachgerechter Instandhaltungsschnitt, der das „Altern“ verzögert und die Pflanze zur Bildung von blühfähigen Neutrieben anregt. Günstiger Zeitpunkt für die diverse Schnittmaßnahmen ist bei vielen Ziergehölzen die Zeit der Vegetationsruhe im Winter oder zum Winterausgang.

Die meisten sommerblühenden Ziergehölze bilden ihre Knospen erst nach dem Austrieb an den Enden der Triebe oder in den Blattachseln und kommen im gleichen Jahr zur Blüte. Bei diesen Gehölzen ist ein kräftiger Rückschnitt angebracht. Hierher gehören Sommerblüher wie zum Beispiel Fingerstrauch (Potentilla fruticosa), Ebereschenspiere (Sorbaria sorbifolia), Eibisch (Hibiscus syriacus), Säckelblume (Ceanothus americanus), Perovskie (Perovskia) und Schneebeere (Symphoricarpos). Der Rückschnitt erfolgt bei den genannten sommerblühenden Ziergehölzen nicht bei allen Trieben gleichmäßig, sondern richtet sich nach der Stärke. Schwächere Triebe schneidet man auf zwei bis drei Augen zurück, stärkere Triebe auf etwa fünf Augen. Wenn auch das Ziel des Rückschnittes darin besteht, im folgenden Jahr kräftige Triebe mit gut entwickelten Blüten zu erzielen, so führt starker Rückschnitt zu weniger, aber größeren Blütenständen. Im Winter schneidet man auch Rispen-Hortensie (Hydrangea paniculata) und Strauch-Hortensie (Hydrangea arborescens). Sie lassen sich bis kurz über das Augenpaar zurückschneiden, das sich dicht über der Triebbasis am Grunde der Pflanze befindet. Die Hortensien behalten dadurch eine schöne Form und bilden große Blütenstände. Bei den Spiräen (Spiraea) ist der Schnitt von Art und Blütezeit abhängig. Die Frühsommerblüher wie zum Beispiel Spiraea japonica und ihre Sorten sowie Spiraea henryi und Spiraea veitchii lichtet man im Winter nur aus und entfernt dabei altes Holz. Die Sommerblüher zu denen Spiraea douglasii und Spiraea menziesii lassen sich ebenfalls auslichten, aber auch gänzlich bis auf den Boden zurückschneiden. Sie treiben im Frühjahr zahlreiche neue Triebe mit reichem Flor. Überhaupt keinen Schnitt bedürfen die zwergwüchsigen Arten, sowie Spiraea x arguta und Spiraea thunbergii. Manche Ziergehölze benötigen einen regelmäßigen Auslichtungsschnitt, um die Pflanze jung zu erhalten und immer wieder zur Bildung blühfähiger Triebe anzuregen. Diese Schnittart empfiehlt sich für Frühjahrsblüher wie Forsythie (Forsythia x intermedia), Pfeifenstrauch (Phildelphus-Lemoinei-Hybr.), Scheinquitte (Chaenomeles), Deutzie (Deutzia-Hybride), Belgischen Spierstrauch (Spiraea x vanhouttei), Gefüllten Schneeball (Viburnum opulus ‚Roseum') und Weigelie (Weigela-Hybride). Da diese Pflanzen allerdings in der vorangegangenen Vegetationsperiode bereits Blütenknospen vorgebildet haben, sollte man sie im Winter oder im zeitigen Frühjahr nur vorsichtig von überalterten Zweigen befreien. In jedem Fall müssen ausreichend junge, blühfähige Zweige stehen bleiben. Ein kräftiger Rückschnitt empfiehlt sich bei der Forsythie nach der Blüte. Dann werden alle abgeblühten Zweige entfernt. Schnell bilden sich neue Triebe, die im kommenden Frühjahr dicht mit Blüten besetzt sind.

Manche Gehölze wie zum Beispiel Bartblume (Caryopteris clandonensis), Trompetenblume (Campsis radicans) oder Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii) frieren in strengen Wintern weit zurück. Diese Arten werden im Winter nicht geschnitten, sondern erst zum Ausgang des Winters. Dann werden auch eventuell aufgetretene Frostschäden erkennbar.

Frühjahrsblüher wie Mandelbäumchen (Prinus triloba), Sal-Weide (Salix caprea) oder Tamariske (Tamarix tetranda) dürfen dagegen im Winter nicht geschnitten werden. Für die Bildung kräftiger, blühfähiger Triebe empfiehlt sich ein Rückschnitt nach der Blüte. Dabei schneidet man alle Zweige bis auf wenige Augen zurück. Gelegentlich kann diese Art des Schnittes auch bei der Blujohannisbeere (Ribes sanguineum) erfolgen.

Manchmal ist auch das Verjüngen der Pflanze nötig. In diesem Fall ist ein radikaler Rückschnitt möglich. Mit Ausnahme einiger nach der Blüte zu schneidender Frühjahrsblüher (Mandelbäumchen, Sal-Weide, Tamariske und Blut-Johannisbeere) sollte das Verjüngen so zeitig wie möglich und bis weit in das alte Holz erfolgen. Danach werden die schlafenden Augen aktiviert und zu Knospen umgebildet, weshalb sich der Austrieb verzögern kann. Bis auf den Boden lassen sich zum Verjüngen Weiden (Salix), Pfeifenstrauch (Philadelphus), Blasenspiere (Physocarpus), Spiersträucher (Spiraea) und Deutzien (Deutzia) zurücknehmen.

Anders verhält es sich bei der Felsenbirne (Amelanchier), dem Zierapfel (Malus) und dem Flieder (Syringa). Für diese Gehölze ist es besser, wenn sie nur auf eine gewisse Höhe zwischen 80 und 150 Zentimeter zurückgeschnitten werden. Dabei sollten zunächst einige schwache Triebe stehen bleiben, die erst im folgenden Jahr mit anderen, zu dicht stehenden Neutrieben entfernt werden.

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