Zeitung Heute : Rummenigge tritt vor das tm3-Mikrofon - ein Interview mit dem Vizepräsidenten des FC Bayern München

Herr Rummenigge[Hand aufs Herz: Haben Sie tm3 fr&]

Noch vor wenigen Wochen hatte tm3-Geschäftsführer Jochen Kröhne prophezeit, man werde sich noch wundern, mit welchen großen Namen der Sender zum Start seiner Champions League-Übertragungen am 14. September aufwarten werde. Nachdem Franz Beckenbauer und Günter Netzer abgesagt hatten, sagten jetzt der Bayern-Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge sowie die ehemaligen Bundesligaprofis Hansi Müller und Stefan Kuntz zu. Mit Karl-Heinz Rummenigge sprachen Andreas Kötter und Andreas Unger über die neue Aufgabe.

Herr Rummenigge, Hand aufs Herz: Haben Sie tm3 früher überhaupt wahrgenommen, oder war das eher der Sender, den Ihre Frau eingeschaltet hat?

Doch, ich habe tm3 schon wahrgenommen; allerdings muss ich gestehen, dass der Sender in der Vergangenheit eher meine Frau angesprochen hat. Das wird sich ändern, ist doch tm3 seit dem Erwerb der TV-Rechte an der Champions League auf dem Weg vom Frauen- zum Entertainmentsender.

Die von tm3-Chef Kröhne voreilig gemeldete Verpflichtung von Beckenbauer hatten Sie als "Sechser im Lotto" bezeichnet. Belastet es nicht das Klima bei Bayern München, wenn der "Kaiser" plötzlich bei Premiere bleibt?

Franz Beckenbauer konnte, selbst wenn er gewollt hätte, nicht aus seinem Vertrag mit Premiere heraus. Im übrigen ist das Vertrauensverhältnis zwischen Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer und mir so gut, dass uns Dinge, die von außen an uns herangetragen werden, nicht auseinander dividieren können.

tm3 hat sich erst an Sie gewandt, nachdem eine Reihe von Wunschkandidaten von Netzer über Beckenbauer bis Reif abgesagt hatte. Verletzt es Sie nicht, nur zweite oder gar dritte Wahl zu sein?

Fakt ist meiner Kenntnis nach nur der Name Beckenbauer. Mit Reif möchte ich mich nicht vergleichen, der ist Journalist, ich bin als Fußball-Experte verpflichtet worden. Es ist aber sicherlich richtig, daß ich nicht von tm3 angesprochen worden wäre, wenn Franz Beckenbauer aus seinem Vetrag mit Premiere herausgekonnt hätte.

Viele von denen, die abgesagt haben sollen, haben angeblich ein schlüssiges Konzept vermisst. Wie konnten tm3-Geschäftsführer Jochen Kröhne und Sportchef Michael Pfad Sie überzeugen ?

Michael Pfad hat bei Premiere bewiesen, daß er ein erstklassiges Produkt abliefern kann, das wird er nun auch bei tm3 mit der Champions League tun. Im Übrigen steht ja der Sport, nicht seine Präsentation im Rampenlicht.

Wie soll Ihre Aufgabe genau aussehen?

Ich werde in erster Linie als Co-Moderator tätig sein, ähnlich, wie das Franz Beckenbauer bei RTL war. Möglicherweise wird es auch hin und wieder eine Co-Kommentierung geben; das wird man von Fall zu Fall entscheiden.

Es war zu lesen, dass Sie die Spiele des FC Bayern auf keinen Fall kommentieren werden . . .

Das ist richtig. Ich habe mir das in meinem Vertrag ausbedungen, weil ich glaube, dass niemandem damit gedient wäre, wenn ich die Spiele meines eigenen Vereins kommentieren würde. Ich wäre wohl zu abgelenkt und mit den Gedanken mehr bei unseren Spielern als bei den Fernsehzuschauern.

Wird es eine Schulung geben?

Nein, zumindest nicht für mich. Meine beiden ehemaligen Fußballer-Kollegen Hansi Müller und Stefan Kuntz allerdings sollen noch geschult werden, da man beide auch redaktionell einsetzen will, etwa für Trainer- oder Spieler-Interviews.

Sie haben für Ihr Engagement bei der ARD nicht nur Lob geerntet . . .

Anfangs hat mir die Arbeit für die ARD sehr viel Spaß bereitet. Als der dann nachgelassen hat, hat wohl auch die Qualität gelitten.

Hat Sie die damalige Kritik verletzt?

Jeder hat seinen ganz individuellen sensiblen Punkt. Allerdings nehme ich mir die Dinge nicht so zu Herzen wie noch zu meiner Zeit als aktiver Fußballer. Entscheidend ist doch, dass man in der Lage ist, die eigene Arbeit möglichst kritisch zu beurteilen und daraus die notwendigen Schlüsse zu ziehen.

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