Zeitung Heute : Rumoren in Rumäniens Weinszene: Ein neues Buch des Berliner Autors Paul Grote

Bernd Matthies

Rumänien war auch für den erfahrenen Reporter Paul Grote ein wenig zu aufregend. „Da fahre ich nicht noch mal hin“, sagt er heute, aber das ist ja auch nicht nötig, weil das Ergebnis der Recherchen fertig ist: „Der Wein des KGB“ (dtv) heißt der jetzt erschienene sechste Roman des 63-jährigen gebürtigen Berliners, der zunächst Karriere als Werbekaufmann machte, Soziologie und Politologie studiert hat und in Wien Manager einer Rockband war, bevor er sich anderthalb Jahrzehnte in Lateinamerika niederließ und Reportagen für renommierte Magazine schrieb.

Seit 2002 lebt er wieder in seiner Heimatstadt und hat sich darauf spezialisiert, über Verbrechen und Wein zu schreiben. Es geht um mehr als banale Panscherei. Seine aufrechten Protagonisten geraten in Verschwörungen, die in politische und wirtschaftliche Abgründe führen; die Hintergründe sind ausführlich ausgeleuchtet, und wenn es um Wein geht, stimmen auch da die Details.

Der Erstling, „Tod in Bordeaux“, zeichnet das Porträt des deutschen Weinhändlers Martin Bongers, der den Tod eines befreundeten Bordelaiser Winzers aufzuklären versucht und dabei in komplizierte Intrigen verwickelt wird - am Ende übernimmt er dessen Gut, bereit für einen neuen Einsatz, der im „Wein des KGB“ stattfindet. „Bitterer Chianti“ ist Grotes Zweitling, es folgten „Rioja für den Matador“, „Verschwörung beim Heurigen“ und „Der Portwein-Erbe“, die jeweils eine europäische Weinregion in den Vordergrund stellen.

Reine Spannungsliteratur ist das insofern nicht, als die historischen und vor allem önologischen Exkurse oft ein wenig von der Geschichte weg führen, aber gerade das wird den Fans behagen. Im neuen Buch soll der Winzer Martin Bongers für einen zweifelhaften Investor in Rumänien ein Weingut kaufen, spürt einem rätselhaften Spitzenwein nach und gerät zwischen korrupten Beamten und Ex-Securitate-Agenten in Lebensgefahr.

Die nächste Recherchereise hat bereits stattgefunden: Grote wird sich in seinem nächsten Buch um die Champagne kümmern und dort garantiert einen Aufhänger für kriminelle Machenschaften finden, und auch auf die Forschungsanstalt Geisenheim, die Kaderschmiede deutscher Önologen, hat er bereits ein Auge geworfen. Aber die Serie soll auch ein Ende haben: Der britische Autor Dick Francis, der mehr als dreißig Kriminalromane aus der Umgebung der Pferderennbahnen geschrieben hat, werde ihm nicht als Vorbild dienen, verspricht Grote. Bernd Matthies

Paul Grote liest heute, Freitag, um 19 Uhr in der Buchhandlung Leporello, Krikusstr. 19, Rudow. Tel. 66526153; am Dienstag, dem 13.Oktober, um 19 Uhr im Vino-Weinmarkt, Am Juliusturm 55-59 in Spandau, am 22.Oktober bei Teeart in Teltow und am 24.Oktober beim Verein Berliner Riesling. Informationen: www.paul-grote.de

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