Zeitung Heute : Rundum erneuert

Der Konzertsaal der UdK Berlin wird renoviert

Patrick Schirmer

Noch ist da, wo die Bühne stand und in Zukunft wieder stehen soll, ein großes Loch. Staub liegt in der Luft und ein Geruch nach Baustelle. Es wird gehämmert, geschraubt und angebracht. Es ist laut hier an diesem Ort, der einst den Berliner Philharmonikern als Gastspielort diente und der seit Jahrzehnten der Universität der Künste Berlin einen ungewöhnlichen Luxus bietet: Einen Konzertsaal in der Größe hat keine andere Musikhochschule in Deutschland.

1954 wurde der von Paul Baumgarten entworfene Konzertsaal an der Hardenbergstraße eröffnet. Auf den Ruinen des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Konzertsaals der Hochschule für Musik baute der Professor seiner Hochschule ein neues Gebäude – teilweise mit recht ungewöhnlichen Mitteln. Auf dem Oberrang dient beispielsweise eine Wellblechvorrichtung als akustische Maßnahme.

Die Verbesserung der Akustik – neben der des Brandschutzes, der Belüftung und der Wärmedämmung – ist bei den jetzigen Umbauarbeiten eines der Hauptanliegen. Das ewige Problem, dass sich die Musiker untereinander schlecht hören, wird durch den Einbau von Schallsegeln über der Bühne gelöst.

Auch die Bestuhlung wurde verändert. Bisher fanden zusammengequetschte 1344 Zuschauer im Konzertsaal Platz, nun wurde das Kontingent um rund 100 Sitzplätze reduziert. Im Laufe der Arbeiten wurde auch die Originalfarbe des Saals gefunden – unter mehreren Schichten Farbe, die im Laufe der Zeit angebracht worden waren tauchte ein sehr helles Blau auf.

Robert Müller, der die Restaurierungsarbeiten leitet, mag die offene, einladende Atmosphäre, die das Gebäude ausstrahlt: „Durch das Foyer mit seiner Glasfassade hat man sozusagen eine offene Bühne, man sieht die Besucher, die hier reingehen. Es ist keine verborgene Gesellschaft, sondern etwas Öffentliches.“

Ende September sollen die Arbeiten beendet sein. Pläne für die Zeit danach gibt es einige, konkret wird Lutz Köhler, der Leiter des Symphonieorchesters der UdK Berlin. Er wünscht sich „in künstlerischer Hinsicht eine Rückbesinnung auf die künstlerische Wertigkeit, die dieser Saal in den Fünfziger und Sechziger Jahren hatte. Er sollte ein einheitlicheres Profil haben, etwa zu einer Anlaufstelle für Neue Musik werden."

Ganz gleich, welche Töne ab November den Konzertsaal erfüllen: Wichtig ist, dass überhaupt wieder Musik erklingt. Und der Konzertsaal wird in neuem, alten Glanz erstrahlen. Patrick Schirmer

Die feierliche Wiedereröffnung ist für den 12. November 2010 vorgesehen.

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