Rusllands Hilfskonvoi für die Ostukraine : Das Internationale Rote Kreuz: Zwischen den Fronten

Russland behauptet, das Internationale Rote Kreuz in die laufende Hilfsaktion einbezogen zu haben. Welche Rolle spielt das IKRK in diesem Konflikt?

Friederike Zörner
Der russische Hilfskonvoi auf dem Weg zur russisch-ukrainischen Grenze
Der russische Hilfskonvoi auf dem Weg zur russisch-ukrainischen GrenzeFoto: Reuters

In dem Tauziehen um den russischen Hilfskonvoi in die Ukraine hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zusammen mit russischen und ukrainischen Offiziellen konkrete Vereinbarungen getroffen. Das sagte am Mittwoch Anastasia Isyuk, Sprecherin des IKRK, dem Tagesspiegel, ohne näher auf Inhalte einzugehen. Beide Seiten hätten in einem Dokument festgehalten, wie das IKRK in die Verbreitung der Hilfsgüter einbezogen werden könnte. Außerdem habe man sich auf die Prinzipien der Neutralität und Unabhängigkeit verständigt. „Momentan müssen noch einige praktische Probleme abgesprochen werden. Zum Beispiel, wie der Konvoi die ukrainische Grenze passieren kann und wie Zollangelegenheiten geklärt werden.“ Unterdessen sagte Viktoria Sotikowa vom IKRK in Moskau, ihre Organisation wolle die russischen Hilfsgüter für die Ostukraine nur ohne Beteiligung der Behörden in Kiew verteilen. „Wenn wir diesen Konvoi übernehmen und er unter unserem Zeichen fährt, dann kümmern wir uns selbst um die Verteilung.“

Seit Beginn der Krise in der Ukraine Ende des vergangenen Jahres ist das IKRK in dem Land tätig. Neben einer Niederlassung in Kiew mit 25 Mitarbeitern gibt es weitere Büros in Donezk, Charkiw und Odessa. Zurzeit seien vor allem die schlechte Trinkwasser- und Lebensmittelversorgung sowie Elektrizitätsengpässe in der umkämpften Region um Lugansk problematisch. „Generell befinden sich die Menschen in einer sehr unsicheren Umgebung“, so Isyuk.

Der Hilfskonvoi aus Russland sei eines der Mittel, den Menschen in der Region zu helfen. Weitere Maßnahmen, die das IKRK ergreife, sind nach eigenen Angaben die Bereitstellung von medizinischen Gütern und über ihr Pendant, das Ukrainische Rote Kreuz, die Lieferung von Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Kleidung und Haushaltsmitteln an mehr als 10 000 Vertriebene. Seit April sei so Medizin an mehr als 25 Gesundheitseinrichtungen in den umkämpften Gebieten gelangt. Auch das Russische Rote Kreuz kümmere sich um etwa 33000 Flüchtlinge in der Region Rostow und verteile Lebensmittel.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat sich an Hilfsaktionen für die Ostukraine ebenfalls beteiligt. Bereits im Juni dieses Jahres war ein Hilfskonvoi mit neun Fahrzeugen nach Kiew gefahren. Nach eigenen Angaben wurden unter anderem Tragen, Helme, Erste-Hilfe-Rucksäcke, Decken sowie Zelte transportiert. Helfer des DRK seien nach Angaben eines Sprechers allerdings nicht vor Ort.

Eine ähnliche Aktion des DRK sei zudem für September oder Oktober dieses Jahres geplant. Dabei sollen Hilfsgüter an Sozialstationen und Flüchtlinge geliefert werden. Kooperiert werde dafür mit dem Ukrainischen Roten Kreuz. Das Auswärtige Amt habe als Unterstützung für den Transport eine Million Euro zugesagt.

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