Zeitung Heute : „Russland geht zu weit“

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Russland hat eine Delegation der Hamas empfangen. Ist damit die Isolationsstrategie der USA gescheitert, Herr Meyer?

Diese Isolationsstrategie hätte ohnehin nie weltweit funktioniert. Es gibt ja inzwischen auch in der EU viele Stimmen, die sagen, dass die Palästinenser nicht insgesamt dafür bestraft werden können, dass sie Hamas gewählt haben.

Warum geht Moskau auf die Hamas zu?

Da steckt eine Doppelstrategie dahinter. Zum einen will man sich gegenüber den USA profilieren. Zum anderen will Russland seine Rolle im Nahost-Quartett deutlich machen. Außerdem kann sich Russland innenpolitisch Luft verschaffen. Es gibt ja auch in Russland islamistische Bewegungen. Die können durch Verhandlungen mit der Hamas beruhigt werden.

Aber kann die Hamas überhaupt ein internationaler Gesprächspartner sein, wenn sie Israel nicht anerkennt?

Russland ist da zu weit vorgeprescht. Moskau hätte durchaus auch diese ersten Gespräche mit der Forderung verbinden können, dass die Hamas Israel anerkennen soll und mit der israelischen Regierung verhandelt. Diese Forderungen des Westens hätte Russland auf jeden Fall übernehmen sollen.

Die USA haben einen Teil der Finanzhilfen an die Autonomiebehörde zurückgefordert. Wird das Hamas schmerzen?

Das wird davon abhängen, ob Israel eine vollständige Isolierung der palästinensischen Gebiete gelingt. Denn ansonsten könnte auch aus arabischen Quellen Geld nach Palästina fließen. Das könnte durchaus mehr sein, als die Amerikaner bisher gezahlt haben.

Berthold Meyer ist Nahost-Experte bei der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung.

Das Gespräch führte Fabian Leber.

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