Russland : Terroranschläge in Moskauer U-Bahn

Bei zwei Attentaten auf die Moskauer U-Bahn gab es mindestens 38 Tote und 64 Verletzte. Die Anschläge seien von zwei Selbstmordattentäterinnen verübt worden, sagt der russische Inlandsgeheimdienstes FSB. Führt die Spur in den Kaukasus?

Rettungskräfte bergen am frühen Montagmorgen eine verwundete Frau aus der U-Bahnstation „Park Kultury“ in Moskau.
Rettungskräfte bergen am frühen Montagmorgen eine verwundete Frau aus der U-Bahnstation „Park Kultury“ in Moskau.Foto: AFP

Bei zwei schweren Anschlägen in Moskau sind am Montag in der U-Bahn der russischen Hauptstadt mindestens 38 Menschen getötet worden. 64 weitere wurden verletzt. Mitten im Berufsverkehr um 7.57 Uhr Ortszeit (5.57 Uhr MESZ) detonierte in der Station Lubjanka der erste Sprengsatz. Direkt an der Station befindet sich die Zentrale des Inlandsgeheimdienstes FSB. Von dort aus werden maßgeblich die Aktionen gegen die Rebellen in der Konfliktregion Nordkaukasus geplant. Knapp 40 Minuten später ging in der Station Park Kultury eine zweite Bombe hoch.

Zunächst bekannte sich niemand zu den Attentaten. FSB-Chef Alexander Bortnikow teilte aber mit, die Anschläge seien von zwei Selbstmordattentäterinnen verübt worden. Forensikexperten hätten sterbliche Überreste der beiden Frauen sichergestellt. Sie sollen etwa 18 bis 20 Jahre alt gewesen sein. Die Spur führe eindeutig zu militanten Gruppen in den Nordkaukasus, sagte Bortnikow.

In der Vergangenheit hatten wiederholt Ehefrauen und Schwestern getöteter muslimischer Extremisten aus dem Kaukasus, sogenannte schwarze Witwen, Anschläge verübt. Die russischen Behörden versuchen vergeblich, die Gewalt muslimischer Extremisten in der Region an der Grenze zu Georgien und Aserbaidschan unter Kontrolle zu bringen. Die Gewalt konzentriert sich auf Dagestan und Inguschetien, auch Tschetschenien ist nicht zur Ruhe gekommen. Dort hatte Rebellenanführer Doku Umarow im Februar im Internet angekündigt, den „Krieg in die russischen Städte“ zu tragen.

Die Metrostationen liegen im Zentrum Moskaus knapp einen Kilometer vom Kreml entfernt und gehören zu den am meisten befahrenen. Beide werden täglich von mehr als 300 000 Menschen genutzt. Die Sprengsätze waren nach FSB-Angaben im ersten beziehungsweise im dritten Wagen deponiert und wurden gezündet, als die Züge auf den Bahnhöfen hielten. Die Bomben waren demnach mit Schrauben und Eisenteilchen gefüllt. Unklar blieb zunächst, ob in der Station Park Kultury eine weitere nicht detonierte Sprengladung entschärft wurde.

Präsident Dmitri Medwedew ordnete für das ganze Land verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an und kündigte die Fortsetzung des harten Anti-Terror-Kurses seiner Regierung an: „Wir werden unsere Operationen gegen die Terroristen ohne Kompromisse bis zum Ende führen.“ Ministerpräsident Wladimir Putin drohte den Hintermännern mit einer gnadenlosen Jagd. US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigten sich von den Anschlägen in Moskau erschüttert. Merkel sagte am Rande ihrer Türkeireise in Ankara: „Das ist ein schreckliches Ereignis.“ Die Verbrechen seien ein Rückschlag für die russischen Bemühungen um Sicherheit. Obama sprach Medwedew sein Beileid in einem Telefonat persönlich aus.

Zuletzt hatte sich 2004 ein Untergrundkämpfer aus dem Nordkaukasus in der Moskauer U-Bahn in die Luft gesprengt und 39 Fahrgäste mit in den Tod gerissen. 250 Menschen wurden verletzt.

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