Zeitung Heute : Rutschige Badewannen und Sonnenschirmmangel

Rutschig. Der Reiseveranstalter muss nicht dafür Sorge tragen, dass die Hotelbadewanne mit einer Rutschmatte ausgerüstet ist. Auch auf einen Haltegriff gibt es keinen Anspruch. Das gehöre nicht zur so genannten Verkehrssicherungspflicht, entschied das Amtsgericht Bad Homburg, wie die von der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht in Frankfurt herausgegebene Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" berichtet. Dabei sei zu berücksichtigen, so das Gericht weiter, dass sich das Urlaubsangebot an einen Personenkreis richtete, der in der Regel durch die Benutzung der Badewanne nicht in eine Gefährdungslage kommen könne. (Amtgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 594/99/10)

Glück. Wird eine Familie bei einer "Fortuna"- oder "Glücks"-Reise statt im erwarteten Hotelzimmer in einem Appartement untergebracht, so ist das kein Reisemangel, der eine Preisminderung rechtfertigt, eher umgekehrt. (Amtsgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 25 C 7283/98) W. B.

Schirme. Sind entgegen der Zusicherung eines Reiseveranstalters, es seien im Urlaubshotel genügend Sonnenschirme vorhanden, tatsächlich für 750 Betten etwa nur 21 Schirme verfügbar, so berechtigt dieser Mangel zur Minderung des Reisepreises. Darauf verweisen die Rechtsexperten des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) unter Berufung auf ein Urteil des Arbeitsgerichts München.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Charakter der Reise als Badeurlaub stark eingeschränkt war. Ohne Sonnenschirm sei der Aufenthalt am Pool oder am Strand infolge der starken oder zumindest zu Beginn des Urlaubs sogar gefährlichen Sonneneinstrahlung nicht möglich gewesen. Außerdem sei durch den morgendlichen aussichtslosen Kampf um einen der wenigen Schirme, insbesondere bei negativem Ausgang, die Urlaubsfreude des Gastes getrübt worden, heißt es in dem Urteil. (Aktenzeichen: 11 C 2436/75) ddp

Religion. Wird eine Schülerin während einer Sprachreise in die USA ohne "Vorwarnung" durch den Veranstalter bei einem "streng religiösen" Ehepaar untergebracht und ist die High School ebenso ausgerichtet, so kann der Vertrag gekündigt und der Reisepreis zurückverlangt werden, weil eine Gastschülerin sich zwar anpassen, aber über außergewöhnliche Gegebenheiten vor Ort informiert werden muss. (Urteil des Oberlandesgerichts Saarbrücken, Aktenzeichen: 6 U 119/98) W. B.

Abbruch. Hat ein Ehepaar für einen Flug (hier: in die Karibik) bereits eingecheckt, erleidet die Frau jedoch vor dem Abflug einen Kreislaufkollaps und muss der Urlaub abgesagt werden, so ist die Reiserücktrittskostenversicherung leistungsfrei, weil es sich nach dem Einchecken nicht mehr um einen Reiserücktritt, sondern um einen Reiseabbruch handelt. (Amtsgericht Traunstein, Aktenzeichen: 310 C 1785/98) W. B.

Zwischenlandung. Auch wenn ein Flugzeug wegen eines technischen Defektes zwei Mal zwischenlanden muss, rechtfertigt dies nicht, auf Kosten der Fluglinie mit einer anderen Maschine die Reise fortzusetzen, weil solche Zwischenfälle "im Rahmen des üblichen Risikos" liegen, das Fluggäste bei der Wahl ihres Transportmittels eingehen. (Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Aktenzeichen: 20a C 496/98) W. B.

Verzögerung. Wird einem Fluggast mitgeteilt, dass sich sein Flug um zwei Stunden verzögert, ist der Eincheck-Schalter aber nach dieser Zeit bei seinem erneuten Erscheinen bereits wieder geschlossen, so muss er sich zunächst an das Büro der jeweiligen Fluggesellschaft wenden, das ihn in Absprache mit dem Kapitän möglicherweise doch noch an Bord hätte bringen können, bevor er eine andere Maschine bucht und die Kosten der Gesellschaft in Rechnung stellt. (Urteil des Amtsgerichts Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 4249/97) W. B.

Bruch. Geht ein Gegenstand bei der Beförderung per Luftfracht zu Bruch, muss die Luftfahrtgesellschaft den Schaden ersetzen. Sie kann die Haftung in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen nur für solche Güter ausschließen, die bei der Beförderung per Luftfracht mit erhöhter Wahrscheinlichkeit beschädigt werden. Das Amtsgericht Bad Homburg hat dies im Fall einer Gitarre verneint, wie "ReiseRecht aktuell" berichtet. Zu Ungunsten des Luftfrachtführers wirkte es sich auch aus, dass die Gitarre durch ihre Verpackung als solche zu erkennen war. (Amtsgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 2338/99)

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