Zeitung Heute : Saarland, hör die Signale

Wie Oskar Lafontaine seinen 60.Geburtstag feiert

Volker Hildisch[Saarbrücken]

Von Volker Hildisch,

Saarbrücken

Es ist fast wie früher. Rund 400 Gäste sind in den Saarbrücker Rathausfestsaal gekommen – dorthin, wo Oskar Lafontaines politische Karriere schon einmal begann: 1976 als Oberbürgermeister. Strahlend betritt er den Saal, umringt von Fernsehkameras. Es ist Dienstag, und er wird 60 an diesem Tag. An seiner Seite lächelt die Ehefrau. Und der sechsjährige Sohn Carl Maurice, der in den Tagen nach Lafontaines Rücktritt auf den Schultern seines Vaters berühmt wurde, genießt die Aufmerksamkeit ebenso wie der Papa. Lange Zeit hatte der auf solche Auftritte verzichten müssen. „Daheim ist Carl Maurice der Chef, und meine Frau ist auch nicht so ohne“, wird Lafontaine später sagen.

Viele Weggefährten entdeckt man, ehemalige Landesminister, Gewerkschafter, der Kabarettist Gerd Dudenhöfer („Heinz Becker“) ist da und die Sängerin Nicole („Ein bisschen Frieden“). Auch Lafontaines Kolumnisten- Kollege bei der „Bild“-Zeitung, der CSU- Mann Peter Gauweiler, ist nach Saarbrücken gekommen. Keine SPD-Bundesprominenz. Doch ginge es nach dem SPD-Landesvorsitzenden Heiko Maas, müsste sich das bald ändern: „Es ist Zeit für eine Aussöhnung der SPD mit ihrem ehemaligen Vorsitzenden“, sagt der und bekommt Beifall dafür. Und Lafontaine?

Die letzten viereinhalb Jahre hätten ihm Gelegenheit gegeben, über vieles nachzudenken, ruft er den Gästen zu. „Ich fühle mich relativ fit, und es geht mir wie einem alten Schlachtgaul: Wenn ich die Trompete höre, fange ich an unruhig zu werden.“ Völker hört die Signale: Lafontaine ist wieder da – das ist die Botschaft dieses Geburtstagsempfangs.

Doch noch ist – jedenfalls offiziell – nicht entschieden, ob Maas oder Lafontaine im nächsten Jahr gegen CDU-Ministerpräsident Peter Müller antritt. Der Geburtstagsempfang sei nicht der richtige Ort, das bekannt zu geben, sagen beide. Maas habe das erste Wort, sagte Lafontaine in den letzten Tagen immer wieder, was bedeuten könnte, dass er selbst das letzte hat. Doch ganz so einfach liegen die Dinge in der Saar-SPD nicht. Am Wochenende findet die jährliche Klausurtagung der Partei statt, da dürfte es lebhaft werden.

Denn es gibt zwei Lager. Die einen trauen Lafontaine zu, die Wähler stärker zu mobilisieren als der farblose Maas. Der hatte in den vergangenen Jahren viel auszuhalten: Landtagswahlen verloren, der unfreiwillige Rücktritt von Reinhard Klimmt vom Amt des Bundesverkehrsministers und des SPD-Landeschefs, die Affäre um den Saarbrücker Oberbürgermeister Hajo Hoffmann. Davon hat sich die Partei nicht erholt, in Umfragen liegt sie weit hinter der CDU. Das spricht nicht für den Spitzenkandidaten Maas, doch es gibt viele, die die Ära Lafontaine abgehakt haben wollen. Fragt man den stellvertretenden Landeschef der Partei, den DGB-Vorsitzenden Eugen Roth, oder Generalsekretär Rainer Tabillion, bekommt man derzeit nur zur Antwort: „Beide Varianten sind sehr interessant.“

Interessant war auch zu erfahren, wer im Anschluss an den Empfang bei der privaten Geburtstagsfeier Lafontaines auf dem „Linslerhof“, einem Landgasthaus im gehoben-rustikalen Stil, dabei war: Gregor Gysi zum Beispiel. Was der ihm zu den jüngsten Vorschlägen, Ost-SPD und PDS zu vereinigen, gesagt hat, ist nicht überliefert. Nicht dabei war Reinhard Klimmt, Lafontaines alter Weggefährte. Die gemeinsame politische Karriere und persönliche Beziehung, die Klimmt in seinem gerade erschienenen Buch „Auf dieser Grenze lebe ich“ noch als „schwer zu knackendes, doppelwandiges System“ beschreibt, habe in den letzten Jahren gelitten, hört man. Vier Jahre nach dem Machtverlust gibt es viele solcher Wunden in der Saar-SPD.

Die dürfte nur ein Sieg bei den Kommunalwahlen im Juni und bei den Landtagswahlen im September nächsten Jahres heilen. Und ob Lafontaine der Heilsbringer sein soll – darüber entscheidet vielleicht sogar erst der Landesparteitag im November. Symbol für einen Neuanfang ist auf jeden Fall schon mal sein Wegzug aus Saarbrücken. Im Saargau, der kargen Hochfläche zwischen Saarlouis und der Grenze zu Frankreich, auf der der Wind oft heftig weht, bezieht er in diesen Tagen sein neues Haus.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben