Zeitung Heute : Säumige Schuldner

Maler und andere Handwerksbetriebe schlagen Alarm: Immer mehr Rechnungen bleiben offen. Auch das Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand lässt stark zu wünschen übrig

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Schlechte Zahlungsmoral bedroht die Existenz der Berliner Handwerksbetriebe: Rund 470 Millionen Euro haben die Betriebe 2004 verloren, weil Kunden ihre Rechnungen nicht bezahlt haben. Bundesweit fehlen dadurch mehr als fünf Milliarden Euro.

Weitere 66 Milliarden Euro sind laut Zentralverband des Deutschen Handwerks von säumigen Kunden erst verzögert eingegangen, dadurch standen viele Betriebe vor der Zahlungsunfähigkeit. In Berlin, wo die Eigenkapitalquote der Handwerke unter zehn Prozent liegt, gerät die Liquidität der Unternehmen sehr schnell in Gefahr.

Eine Umfrage des Zentralverbandes unter 13 700 Betrieben hat ergeben, dass die Zahlungsmoral in den vergangenen fünf Jahren deutlich gesunken ist – auch bei der öffentlichen Hand. Jürgen Wittke, Geschäftsführer der Berliner Malerinnung, bestätigte gegenüber der Presse: „Ich habe Mühe, Firmen zu nennen, die nicht mit säumigen Kunden zu tun hatten.“

Die Maler folgen in der Regel den Bauleuten, entweder im Neubau oder bei Instandsetzungsarbeiten. Ein Viertel der Berliner Handwerksbetriebe bezeichnen die Zahlungsmoral von Auftraggebern aus den Senatsverwaltungen oder dem Bund als ausgesprochen schlecht. Negativer Spitzenreiter ist die Deutsche Bahn AG, die durchschnittlich 99 Tage verstreichen lässt, ehe sie eine Rechnung bezahlt. Nur die Hälfte der Berliner Handwerksbetriebe bezeichnen das öffentliche Zahlungsverhalten als gut. Bei privaten Kunden kamen nur ein Drittel zu diesem positiven Urteil. HS

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