Zeitung Heute : Sahnestücke im Südwesten

Die „Zauberflöte“ auf dem Wannsee – und Tucholsky zur Langen Nacht

Fast wie zu Hause fühlt man sich im Zimmertheater Steglitz mit seinen 40 Plätzen. Der künstlerische Leiter Günter Rüdiger trägt Texte, Lieder und Biografisches von Kurt Tucholsky vor. Foto: Promo/Volker Hofmann
Fast wie zu Hause fühlt man sich im Zimmertheater Steglitz mit seinen 40 Plätzen. Der künstlerische Leiter Günter Rüdiger trägt...Foto: veröffentlichung nur gegen honor

STEGLITZ-ZEHLENDORF

In diesem Sommer steigt der Bezirk in die Liga der internationalen Festspielstädte auf – Potsdam sei dank. Denn weil man sich in der brandenburgischen Landeshauptstadt allzu lang mit der behördlichen Bewilligung einer schwimmenden Seebühne auf Hermannswerder zierte, entschloss sich Entertainmentveranstalter Peter Schwenkow kurzerhand, sein Geld lieber am südlichen Berliner Stadtrand zu investieren: Auf dem Gelände des Strandbad Wannsee wird nun im August 2011 eine Freiluft-Inszenierung von Mozarts „Zauberflöte“ herauskommen. Elf Aufführungen sind geplant, pro Abend stehen 4700 Plätze zur Verfügung.

Wenn das Wetter mitspielt, dürfte das Spektakel weitaus mehr Zuschauer anlocken, als alle Kultureinrichtungen im Bezirk sonst übers Jahr zusammen. Hier wohnen zwar sehr viele regelmäßige Theater- und Konzertbesucher, doch die Angebote vor Ort bewegen sich eher in bescheidenen Dimensionen.

Eine kleine Kulturmeile findet man am Rathaus Steglitz. Da ist zum einen die sogenannte Schwartzsche Villa, einst als noble Bankiers-Logis erbaut. Sie wird seit 1995 als Veranstaltungsort vom Bezirk betrieben. Besonders reichhaltig ist das Musikangebot. So erklingt am 30. April beispielsweise Kammermusik für Klarinette und Klavier, am 27. Mai gibt die – vielen noch von ihrer Zeit an der Komischen Oper bekannte – Sopranistin Anna Korondi einen Liederabend mit Werken von Clara und Robert Schumann sowie Franz Liszt. Vom 19. bis 30. April findet in der Villa zudem täglich Kindertheater statt.

Ein paar Schritte weiter Richtung Zehlendorf stößt man auf das Trio aus dem ehemaligen Gutshaus , das heute für Ausstellungen genutzt wird, dem „Adria“- Kino sowie dem Schlossparktheater. Seit Herbst 2009 betreibt Dieter Hallervorden das Traditionshaus – und will hier den Beweis antreten, dass man auch im Südwesten erfolgreich Bühnenkunst anbieten kann.

Die übrigen Spielstätten des Bezirks sind deutlich kleiner dimensioniert: Auf dem Weg nach Potsdam locken einerseits die Konzerte im Schloss Glienicke, andererseits bietet die Galerie „Mutter Fourage“ in Wannsee regelmäßig Musik, Lyrik und darstellende Kunst. Als nächste Veranstaltung ist das Berliner Akkordeon Quartett angekündigt, das am 7. Mai Klassisches, Zeitgenössische und Bearbeitungen von Musik aus verschiedenen Ländern zum Besten gibt.

Im Museum der Domäne Dahlem sind am Sonnabend, 28. Mai, sanfte Töne zu vernehmen: Dann spielen zwei Blockflötistinnen und ein Blockflötist Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn und James Hook. Ein generationsübergreifendes Tanztheaterprojekt auf der Basis des Mythos von Orpheus und Eurydike inszenieren Nadja Raszewski und Daniela Grosset in der Tanz-Tangente. Premiere des „Rundgangs zwischen Unter- und Oberwelt durch das Gebäude der Kuhligkshofstraße“ ist am 21. Mai.

Die einzige Bühne aus Steglitz-Zehlendorf, die an der Langen Nacht der Opern und Theater teilnimmt, ist das in der Bornstraße beheimatete Zimmertheater Steglitz. Unter der Direktion von Günter Rüdiger wurde der früher als „Märchenbrunnen“ bekannte Ort Anfang 2010 neu eröffnet. Bei der Langen Nacht zeigt die Mini-Spielstätte – mit gerade mal 40 Plätzen! – die ganze Bandbreite ihres Angebots. Los geht es ab 15 Uhr mit einem Kinderprogramm, um 19 Uhr präsentiert der Chef persönlich eine Auswahl von Tucholsky-Texten. Dann folgen im Stundentakt jiddische Lieder, Literarisches und Kabarettistisches – bis hin zu klassischen Gespenstergeschichten um Mitternacht. Frederik Hanssen

Informationen zu allen Kulturveranstaltungen im Bezirk gibt es im Internet unter www.kultur-steglitz-zehlendorf.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!