SAMMLUNG SCHARF-GERSTENBERG„Surreale Welten“ : Ins Lot gebracht

Bernhard Schulz

Von dieser Woche an ist die Charlottenburger Museumslandschaft wieder vollzählig: Der nach dem Auszug des Ägyptischen Museums geschlossene östliche Stülerbau wird mit der Sammlung Scharf-Gerstenberg wiedereröffnet. Dabei handelt es sich um eine großzügige Erweiterung, die das bestehende Gebäudeensemble ordnet und dem Charlottenburger Kunstquartier einen neuen Bezugspunkt gibt.

Die „Surrealen Welten“, in denen sich so unterschiedliche, aber seelenverwandte Meister tummeln wie Max Ernst und Paul Klee – hier abgebildet sein „Freundliches Spiel“ –, antworten auf die Bestände des auf der Schlossstraße gegenüberliegenden Museums Berggruen mit ihrem Fixstern Picasso. Wie viele Anregungen haben die Surrealisten von dem französischen Spanier erhalten, der in seinem eigenen Werk die Grenzen des Surrealismus gestreift hat! Und so wie dieser sich auf Goya berief, beginnt die Historie im neuen Haus mit den unheimlichen Radierungen des Italieners Piranesi, die erstmals jene unmöglichen Räume zeigten, in denen sich die Surrealisten wohnlich einrichteten. Max Ernsts Collagenromane machen den dicht unter der Oberfläche verborgenen Schrecken des Gewöhnlichen deutlich: Es genügen kleine Verschiebungen, um die Realität aus dem Lot zu bringen.

Dass die Erweiterung des Museums ein Café aufnimmt, dass sie den Vorplatz als Stadtraum öffnet, wird endgültig die Befürchtungen erledigen, Charlottenburg drohe Auszehrung. Im Gegenteil: Charlottenburg prunkt mit dem Schloss (Watteau!), Berggruen und Scharf-Gerstenberg als „Quartier français“ der Berliner Museen. Bernhard Schulz

Sammlung Scharf-Gerstenberg, ab Fr 11.7.,

Di-So 10-18 Uhr, 8 €, erm. 4 €

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