Zeitung Heute : Scannen statt schnippeln World of Medicine GmbH entwickelt Mikroskop zur Reduktion von Gewebeentnahmen

Zwei Männer – ein Ziel: Clemens Scholz (links) und Projektleiter Karl-Heinz Schönborn von W.O.M.. Foto: Promo
Zwei Männer – ein Ziel: Clemens Scholz (links) und Projektleiter Karl-Heinz Schönborn von W.O.M.. Foto: Promo

Hinter einer auffälligen Hautveränderung verbirgt sich oft eine harmlose Entzündung oder andere ungefährliche Ursachen. Manchmal ist sie aber Anzeichen einer Krebserkrankung. Hautkrebs ist tückisch, denn er verursacht anfangs kaum Beschwerden. Erste Anzeichen kann man selbst erkennen, denn die meisten Menschen wissen um das Aussehen ihrer Muttermale und Leberflecken. Wenn man einen Juckreiz oder eine Veränderung im Aussehen der Haut wahrnimmt, ist es ratsam, den Hautarzt zu konsultieren. Um einen bösartigen Tumor diagnostisch auszuschließen, entnehmen die Ärzte im Zweifelsfall aus dem verdächtigen Bereich Gewebe, um es im Labor untersuchen zu lassen. Die Entnahme einer solchen Probe nennt man Biopsie.

Werden nach einer Biopsie in der Gewebeprobe Krebszellen identifiziert, gilt die Diagnose Krebs als gesichert. Von diesem Hintergrund ist die Biopsie sicher hilfreich – und wenn sie nur eine lange Phase der Ungewissheit beendet. Außerdem ermöglicht sie eine genauere Klassifizierung des Tumors für eine optimale Therapie. Die Risiken bei dem Eingriff sind vergleichsweise gering. An der Stelle der Gewebeentnahme kann es aber zu kleinen Blutungen, zur Bildung von Blutergüssen oder auch zu kleinen Narben kommen.

Die World of Medicine GmbH (W.O.M.) mit Hauptsitz in Berlin ist ein führender Hersteller in der minimalinvasiven Chirurgie und entwickelt und produziert seit über 40 Jahren Produkte für einen möglichst schonenden Eingriff am Patienten. Bei einem Umsatz von mehr als 55 Millionen Euro (2012) beschäftigt die WOM-Unternehmensgruppe mehr als 300 Mitarbeiter.

Jetzt hat W.O.M. ein Zwei-Photonen-Mikroskop zur Diagnose von Hautkrebserkrankungen entwickelt. Es dient dazu, dem Dermatologen ohne Hautgewebeentnahme (Biopsie) ein Gewebeschnittbild in größerer Auflösung zu liefern. Hierzu wird ein fokussierter Laserstrahl eingesetzt, der den zu untersuchenden Bereich abfährt, Bild an Bild setzt und dem Arzt am Ende eine Ansicht von 7 mm liefert. Bisher lag diese Bildfeldgröße bei nur einem halben Millimeter. Die Größen verhalten sich zueinander wie ein Kugelschreiberpunkt zu einem kleinen rechteckigen Kasten – mithin ergibt sich eine viel bessere Ansicht für den Arzt.

Karl-Heinz Schönborn, Projektleiter bei W.O.M, sieht weitere Vorteile: „Unser Scanner kann nicht jede Biopsie ersetzen. Aber in sieben von zehn Fällen ist das Ergebnis der Biopsie negativ – also positiv für den Patienten. Das bedeutet: 70 Prozent der Biopsien könnten vermieden werden. Unser Gerät hilft, die Zahl der Eingriffe entscheidend zu minimieren.“

Noch sind die eingesetzten Laser zu teuer. Ein einzelner Arzt wird sich den Scanner nicht leisten können. Aber die Preise sinken, sie haben sich in den letzten Jahren auf 50 000 Euro halbiert und werden weiter fallen.

Schönborn sieht deswegen das Anwendungsfeld ihrer Entwicklung vor allem in Universitätskliniken und Forschungslaboren. Noch vor der Einführung des Scanners auf dem Markt steht die Klinische Zulassungsprüfung: „Wir müssen nachweisen, das unser Gerät funktioniert, sicher ist und einen Nutzen für den Patienten hat." Aber daran hat Schönborn keinen Zweifel. Frank Wendler

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