Zeitung Heute : Schadenersatz einklagen, wenn Segel nicht gesetzt werden, Lederjacken zerreißen und der Kaffee kalt ist

tdt wog

Segel. Weil der Hochseetörn nicht unter Segeln stattfand, sondern ausschließlich mit Motorkraft, zog der enttäuschte Kunde eines Reiseveranstalters vor Gericht - und bekam Recht. Der Urlauber konnte beweisen, dass die Besatzung sehr wohl hätte Segel setzen können, wenn sie nur gewollt hätte. Das Landgericht Hannover (Aktenzeichen: 12 S 55/98) sah darin einen gravierenden Mangel, der Veranstalter musste 70 Prozent des Reisepreises zurückzahlen.

Missgeschick. Reiseveranstalter haften nicht für das Missgeschick des Hotelpersonals. Vor dem Amtsgericht Düsseldorf (Aktenzeichen: 35 C 19166/97) forderte ein Urlauber vergeblich Schmerzensgeld, nachdem ihn ein Kellner im Hotelrestaurant versehentlich mit heißem Öl verbrüht hatte. Er müsse sich an den Hotelier wenden, so die Richter, dessen "Verrichtungsgehilfe" der Kellner gewesen sei.

Zerrissen. Weil einem Urlauber bei einer Sicherheitskontrolle die Lederjacke zerrissen wurde, mußte ein Reiseunternehmen dafür gerade stehen. Dessen Reiseleiter hatte den Urlauber dazu aufgefordert, das Kleidungsstück auf das Transportband des Röntgenapparates zu legen. Dabei verursachte die Umlenkrolle den Schaden. Der Reiseleiter hätte darauf hinweisen müssen, dass die Jacke in einem Plastikkorb auf das Band gehört, urteilten die Richter des Amtsgerichts Ludwigsburg (Aktenzeichen: 5 C 2583/97) - und sprachen dem Urlauber Schadensersatz in Höhe von 502 Mark zu.

Kalter Kaffee. Die Nachteile des Massentourimsus, landesübliche Gepflogenheiten und die gebuchte Hotel-Kategorie entscheiden mit darüber, was ein Urlauber sich bei den Mahlzeiten bieten lassen muss. Skeptisch sind die Richter bei ungenauen und subjektiven Klagen wie "Portionen zu klein", "Pommes zu kalt" oder "eintöniger Speisezettel". Daraus könne man "keine objektiven Ergebnisse" gewinnen, meinen die Richter. Essen, das nicht dem Geschmack des Reisenden entspricht, "ist nicht mangelhaft", entschied das Amtsgericht Heidelberg (das Aktenzeichen lautet 27 C 141/88). Wenn in einem Hotel 450 Gäste gleichzeitig bedient werden müssen, darf das Essen auch schon mal etwas länger dauern (Amtsgericht München, Aktenzeichen 6 C 7774/79). Mängel erkennen die Juristen hingegen, wenn das Essen häufig lauwarm auf den Tisch kommt, weil deutlich zu wenig Kellner im Einsatz sind (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen 2/24 S 70/80). Wer in einem Luxushotel regelmäßig bis zu zwei Stunden warten muss, bevor das Abendessen überhaupt serviert wird, kann seinen Reisepreis nach Richter-Meinung deswegen um fünf Prozent mindern (Amtsgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen 30 C 10511/79).

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