Zeitung Heute : Scharfes Gerät

Wieviel Technik, welche Maschinen braucht man in der Küche? Kühltruhe, Büchsenöffner, Folienschweißer? Eine Betriebsanleitung.

NAME

Von Katharina Rutschky

Witze über Männer, vor allem Ehemänner, die zu den entsprechenden Gelegenheiten, wenn andere das Geschenkpapier erwartungsfroh abreißen, höflich lächelnd immer wieder nur Krawatten oder Socken auspacken müssen, gehören ja allmählich der Vergangenheit an. Inzwischen dürfen Frauen schließlich auch teure Duftwässer schenken! Wer freut sich mehr über die Erweiterung der Geschenkpalette als die Frauen, die auch mal schenken wollen, aber nie wissen, was; denn Männer sind immer komplett, oder sie tun jedenfalls so. Wohingegen Frauen immer etwas fehlt, und die Freude über jedes Geschenk - zumindest im ersten Augenblick - deshalb auch immer ungeheuchelt ist.

Männer, Ehemänner, aber auch Väter schenken nach meiner Erfahrung besonders gern Maschinen. Mich hat zum Beispiel eine schlichte Elektrokochplatte und ein winziges Reisebügeleisen durch die Studentenjahre begleitet, hilfreiche Maschinchen, die mir mein Vater spendiert hat. Wie mein Bruder ohne diese Gaben sein Studium bewältigen konnte, weiß ich nicht. Manche Maschinen bewähren sich, andere stehen nach kurzer Prüfung ihrer wundersamen Möglichkeiten aber nur herum. An dieser Stelle muss nun auch von meiner Mutter die Rede sein, die in schlechten Zeiten eine sechsköpfige Familie zu bekochen hatte, anfangs noch mit Hilfe eines Kohleherds. Warmes Wasser musste zubereitet werden, und ein Kühlschrank tauchte erst Mitte der fünfziger Jahre in ihrer Wirtschaft auf. Man sollte meinen, dass diese strapazierte Köchin zu einer begeisterten Anhängerin all der Erfindungen geworden wäre, die seither zur Erleichterung der Küchenarbeit auf den Markt gekommen sind und bis heute alle Männer zu Verführern macht: Maschinchen machen glücklich! Und dann ziehen sie die Spendierhosen an. Darüber sollte man auch mal Witze machen.

Meine Mutter blieb aber resistent und lehnte selbst den Küchenapparat ab, der als Star den Glamour des Wirtschaftswunders um den Herd verbreitete, den Mixer mit geschätzten 17 Funktionen und entsprechend vielen auch noch anzudockenden oder auszutauschenden Messern, Schüsseln und einem extra Kochbuch. Ihr Resümee: „Diese Dinger auf- und abzubauen und sauber zu kriegen, macht netto nach brutto mehr Arbeit als Freude."

Mit Gefühl und Wellenschlag

Ob sich dieser mütterliche Konservatismus, diese im weiteren Sinn ja typisch weibliche Skepsis gegenüber der Technisierung handwerklicher, ja, eigentlich handlicher Abläufe auf mich bloß vererbt hat oder ob es für ihn auch gute Gründe gibt? Mir war es zwar ein Trost, dass ich gewisse Aufgaben der PISA-Studie trotz eines praktisch inexistenten naturwissenschaftlichen Unterrichts in meiner Schulzeit (Mädchengymnasium, sprachlicher Zweig) durch Einsatz von Gefühl und Wellenschlag lösen konnte. Meine heilige Angst vor Elektrizität macht mir in der Küche, zum Beispiel bei der gelegentlich doch wünschenswerten Reinigung meiner wenigen Maschinchen, aber trotzdem immer wieder zu schaffen.

Zum Beispiel: Nachdem mich vor ein paar Jahren eine rätselhafte Schwäche beim Öffnen von Büchsen befallen hatte, hielt ich Ausschau nach moderneren, effektiven Büchsenöffnern. Mehrere sammelten sich ohne den erhofften Erfolg an, so dass ich, entgegen der Lehre der Mutter, einen elektrischen erwarb. Er tat schon wie geheißen, aber wie ihn halbwegs sauber halten? So viel weiß frau ja, dass Wasser mit Elektrizität zu Katastrophen führen kann. Unmittelbar schützt das Ziehen des Steckers, aber mittelbar droht mir jedenfalls, wenn nicht der Tod, dann doch der Schlag und der Kurzschluss! So gammelt dieses Maschinchen nun also doch ein wenig vor sich hin.

Noch schlimmer ist es um das Innenleben meiner Abzugshaube über dem Herd bestellt. Jedes Mal, wenn ich den Filter austauschen muss, beeindruckend vollgesogen mit fettigen Dünsten, schaudert mir vor der im Apparat selbst angesammelten schwärzlichen Schicht, die ihn überzieht und den resolut zu reinigen ich mich im Leben nie trauen würde. Dabei liebe ich meine Abzugshaube mit dem direkten Anschluss an den alten Ofenkamin über alles und erkläre sie gern zu den basics meiner Küchentechnik - trotz des ererbten Konservatismus, der mir die Grenzen auch dieser famosen Erfindung zu reflektieren gebietet. Fisch und Bouletten, aber das nur nebenbei, bereite ich nur dann, wenn zusätzlich zur Abzugshaube auch ein offenes Fenster zur Lüftung möglich ist.

Gewiss, eine Küche, in der sich bei der Bereitung des Essens keine viel versprechenden Düfte verbreiten, verdient den n nicht. Aber anderthalb Tage lang will man die hierfür besonders ergiebigen Bouletten dann doch nicht in der Wohnung erschnuppern müssen, zumal es inzwischen Hühnchen à la Bouillabaisse oder den so genannten Weihnachtsgulasch geben soll. Letzteres ein ursprünglich griechisches Gericht auf der Basis von Kalbfleisch, das mit Nelken und Zimt gewürzt (daher die familiäre Umbenennung in „Weihnachtsgulasch"), am besten zwei Stunden lang in den bei mir populären geschälten Tomaten aus der Büchse geschmort wird und zu Rigatoni auf den Tisch kommt. Dazu natürlich Salat, komponiert aus wenigstens drei verschiedenen Sorten grünroter Blätter, angemacht mit einer persönlichen Sauce, von der Herr R. nie genug bekommen kann. Entgegen den Regeln der feinen Küche müssen nach seinem Verständnis die Blätter unter dieser Soße fast zusammenfallen, sonst ist er nicht zufrieden. Ich dagegen ersetze das geforderte Kalbfleisch im Rezept aus ideologischen Gründen durch ordinäres Rindfleisch. Kälber sollen erst mal leben, ehe sie der Bestimmung des Nutzviehs genügen, da habe ich meine Prioritäten. Ein andermal mehr darüber.

Zauberei im Suppentopf

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Wie viel Technik, welche Maschinen braucht die Köchin? Die Essentials, die auch meine Mutter billigt, lauten Elektro- oder, noch besser, Gasherd. Dazu fließend Kalt- und Warmwasserversorgung. Nach einem erneuten Umzug in eine Wohnung des Sozialbaus der frühen Sechziger pries meine Mutter neben der Zentralheizung fast noch mehr den Glücksgewinn des warmen Wassers, das mir nichts, dir nichts aus der Leitung strömte. Eine Generation später ergänze ich: Eine Abzugshaube, dazu noch einen Pürierstab, der das mühsame Streichen von Suppenzutaten durch ein Sieb aufs Schönste ersetzt hat. Die sahnige Konsistenz der so erzielten Suppen, selbst rein vegetarischer Bauart, grenzt ans Wunderbare, an Zauberei und sollte jeden überzeugen. Ein großer Kühlschrank ist wegen der Planwirtschaft berufstätiger Köchinnen, die gern auch zu unvorhergesehenen Gelegenheiten etwas auftischen und die Sonderangebote im Supermarkt nutzen wollen, sehr von Vorteil.

Was man überhaupt nicht braucht, sind Kaffee-, geschweige denn Espressomaschinen, Tiefkühltruhen, Folienschweißgeräte und Mikrowellen. Über meinen elektrischen Büchsenöffner habe ich das Nötige gesagt, könnte noch mehr über Geräte sagen, die das Öffnen von Gläsern und Flaschen betreffen, die irgendwie unter Druck stehen und erheblichen Widerstand leisten. Pieksen Sie einfach ein Loch in den Deckel, und damit basta.

Wegen der Tiefkühltruhe und ihrer Vorzügen streite ich mich gern herum, ebenso wegen der bisher unerwähnten Geschirrspülmaschine, an die ich auch nicht glaube. Meine Geschirrspülmaschine ist Herr R.. Abwaschen, das Planschen im Wasser machen ihm richtig Spaß. Je höher der zu reinigende Geschirrberg, desto froh gestimmter ist er. In der Küche kann man endlich Hand anlegen und sieht am Ende, was man geschafft hat. Heute macht Handwerk glücklich.

Die Autorin Katharina Rutschky berichtet hier in loser Reihenfolge aus ihrer Kreuzberger Küche.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar