Zeitung Heute : Schau gemacht

150 Designer unter einem Dach: „Berlinomat“ an der Frankfurter Allee bietet einen Überblick über die junge Berliner Modeszene

Hadija Haruna

Wer Jörg Wichmann eine Weile zuhört, kann sich gut vorstellen, dass er mal so etwas wie ein Mode-Politiker wird. Botschafter der Kampagne „be Berlin“ ist er schon. Der 38-Jährige will Berlin von seiner stilvollen Seite zeigen. Während in Mitte und anderswo an jeder Ecke Selbstentworfenes verkauft wird, vereinen er und seine Frau Theresa Meirer in ihrem Laden „Berlinomat“ auf 480 Quadratmetern etwa 150 Designer. Nicht alle machen Mode, aber alle kommen aus Berlin. Die Stücke sollen innovativ und exklusiv sein. Einzelstücke gebe es nicht: „Wir wollen eine größere Zielgruppe erreichen und setzen auf Kleinserien“, sagt Wichmann. Wer sich auf unkomplizierte Art und Weise einen Überblick über die Berliner Designerszene verschaffen wolle, sei hier genau richtig.

Bunt erscheint beim Bummel durch den lichtdurchfluteten Laden mit den riesigen Glasschaufenstern der richtige Ausdruck. Es ist ein Showroom, der zeigt, was Berlin kann: klares Design und avantgardistische Mode. In der Lounge, gleich am Eingang gelegen, kann gemütlich Latte Macchiato geschlürft und mit Wichmann oder seinen Angestellten über die allerneuesten Produkte geplauscht werden.

Innovativ, alltagstauglich und erschwinglich soll sein Angebot sein. „Preise wie bei H&M, Zara oder Mango können wir aber nicht bieten.“ Das Sortiment des Designladens mit dem grauen Betonboden und dem schlichten weißen Interieur umfasst eine Mischung aus bedruckten T-Shirts und ausgefallenen Designerstücken, sowie Taschen, Schuhe, Accessoires, Postkarten, Designmagazine, Schmuck, Sonnenbrillen und Einrichtungsgegenstände. Viele der Artikel haben Berlinbezug und sind ein perfektes Souvenir für designbewusste Touristen. Nicht umsonst bestünden 50 Prozent der Kundschaft aus internationalem Publikum, sagt Wichmann.

2003 kamen der Werbekaufmann und seine Frau, die Modedesign studierte, auf die Idee, die „Plattform für Berliner Design“ zu gründen und auf e Kreativität zu setzen. Bei der Arbeit an ihrem eigenen Mode-Label „Hotinuf“ hätten sie bemerkt, dass Berlin für sein Design ein kreatives Zentrum fehle. „Designer sind oft besser im designen, als im vermarkten. Wir wollten sie auf die Straße bringen.“

Weit entfernt von Eleganz und nebenan Geschäfte, die vor allem billig sind: Der Lokalpatriot Wichmann hat die Frankfurter Allee als Standort für seinen Laden ganz bewusst ausgewählt. Es sei von Anfang an „das strategisch richtige Umfeld“ gewesen, auch wenn keiner geglaubt habe, dass sie hier überleben würden. „Jetzt zeigt sich, dass der Bezirk in Bewegung ist.“ Obwohl der Shop etwas abseits liegt, ist er gut besucht. „Unsere Kunden kommen nur wegen uns hierher, weswegen auch die Verkaufsquote extrem hoch ist.“ Durch weniger Laufkundschaft könne man sich zudem voll auf die Beratung konzentrieren, die nötig sei, um den Kunden das Kreativkonzept von Berlinomat nahe zu bringen: Vernetzung, Kooperation und Vermarktung im Dienste des Berliner Designs.

Das Berlinomat-Duo unterstützt nicht nur etablierte Designer, sondern auch solche, die sich in der Gründungsphase befinden und gerade erst von einer der sieben Berliner Hochschulen auf den hart umkämpften Markt gekommen sind. Den „Young Stars“, die sich ein eigenes Geschäft und eine professionelle Vermarktung meist nicht leisten können, soll der Laden als Plattform dienen. „Wir unterstützen die Anfänger bei der Produktion und vertreten sie als eine Art Großhändler.“ Nützlich sei auch, dass er als Gründungsmitglied des Design-Netzwerkes „Create Berlin“ die richtige Anlaufstelle für Kreative rund um den Standort Berlin sei. Die Idee mit dem heimischen Design läuft gut und findet Anerkennung. 2006 wurde Berlinomat vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels mit dem Titel „Shop of the Year“ in der Kategorie „Lifestyle & Fashion“ gekürt. Damit ging die Auszeichnung erstmals seit 50 Jahren wieder an ein Geschäft aus Berlin.

Seit 2006 gibt es auch eine Berlinomat-Dependance im Kaufhaus Galeries Lafayette in Mitte. Auf knapp 15 Quadratmetern schaffen es so die noch kleinen Labels in die große Friedrichstraße. Und dank Berlinomat sogar bis nach New York: Im Museum of Modern Art stattete das Duo 2007 zur Ausstellung „destination: berlin“ einen Shop mit Berliner Design aus. Zudem präsentierte sich Berlinomat im Pariser Kaufhaus Galeries Lafayette – gleich neben Gucci, Armani und Hermès.

„Wir machen nichts anders und gehen beharrlich unseren Weg“, kommentiert Wichmann sein Geschäftsmodell in Zeiten der Finanzkrise. Bisher hätten sie nichts von der Krise gespürt, im Gegenteil: 2008 habe der Laden einen Umsatzzuwachs von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr erzielt. Im Januar und Februar dieses Jahres seien es rund vier Prozent gewesen, und für 2009 sei ein Zuwachs von fünf Prozent geplant.

Wichmann glaubt, dass die Kreativszene es auch in Zukunft nicht so schwer haben werde. Er rät, nicht in Lethargie zu verfallen. Sollte es trotzdem schlimmer kommen, gelte für ihn weiterhin das optimistische Prinzip: „Das Glas ist halb voll und nicht halb leer.“ Auch stehe ihr Plan für die Zukunft schon fest: Der Vertriebssektor soll ausgelagert und Berlinomat international stärker vernetzt werden. „Wir starten dieses Jahr ein Pilotprojekt und hoffen, es in den nächsten zwei Jahren realisieren und etablieren zu können.“ Wie aber das Expansionsziel genau aussehen soll, will der Geschäftsmann nicht verraten. Da genießt er lieber und schweigt.

www.berlinomat.de

„Wir wollen eine größere Zielgruppe erreichen und setzen auf Kleinserien. Wir starten dieses Jahr ein Pilotprojekt und hoffen, es in den kommenden zwei Jahren realisieren und etablieren zu können.“

Jörg Wichmann, Geschäftsführer Berlinomat (mit seiner Frau und Geschäftsführerin Theresa Meirer)

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