SCHAUERGESCHICHTENGunnar Gunnarsson : Silvester mit Zombies

Noemi Hahnemann

Er war Islands größter Romancier neben Halldor Laxness, beinahe hätte die Schwedische Akademie 1955 den Nobelpreis zur Hälfte ihm zuerkannt. Gunnar Gunnarsson, Jahrgang 1889, war vom elterlichen Bauernhof im Osten seiner Insel früh nach Dänemark aufgebrochen, um von dort aus eine internationale Leserschaft zu finden. Mit seinem großexistenzialistischen Werk „Der Hass des Pall Einarsson“ schuf er sich von 1921 an auch in Deutschland eine Gemeinde – bis tief in die nationalsozialistischen dreißiger Jahre hinein, in denen er sich politisch vereinnahmen ließ, ohne die braune Ideologie zu teilen. Das nahmen ihm die Dänen übel, weshalb er 1939 nach Island zurückkehrte.

Mit „Schwarze Schwingen“ erschien 2009 bei Reclam ein tragischer Krimi Gunnarssons aus dem Jahr 1929. Der Berliner Verbrecher Verlag hat nun mit „Vikivaki“ eine erstmals 1932 erschienene Schauergeschichte ausgegraben, die H.P. Lovecraft in nichts nachsteht: eine in eine Herausgeberfiktion eingebettete Zombiegeschichte aus einer finsteren Silvesternacht. „Wo soll ich anfangen, wo beginnen? Gar nicht auszudenken, wie es mir überhaupt gelingen soll, in meinen wenigen freien Stunden einen Bericht der Ereignisse zustande zu bringen, so wie sie, wohl durch einen zufälligen Bruch der Gesetze von Zeit und Leben, geschehen sind und wie sie sich jetzt, dank der wiederum unverbrüchlich waltenden Gesetze von Zeit und Leben, unaufhaltsam weiterentwickeln. Wird es gelingen, diese übernatürlichen Gegebenheiten mit dem erdgesponnenen Stoff des Wortes zu umkleiden?“ Jan Jürgen Jenrich stellt das Fundstück nun vor. Noemi Hahnemann

Monarch, Di 27.12.,

20.30 Uhr, 4 €

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