Zeitung Heute : Schaufenster der Region

Mit dem Innovationspreis wollen Berlin und Brandenburg ihre Wirtschaftskraft präsentieren. Gestern wurden die Preisträger ausgezeichnet

Harald Olkus Roland Koch

Von Harald Olkus

und Roland Koch

Für seine lebendige Kunst- und Kultur-Szene wird Berlin allseits bewundert. Zumindest ansatzweise hat sich herumgesprochen, dass die Region Berlin / Brandenburg auch einer der größten Standorte für Wissenschaft und Forschung in Deutschland ist. Als attraktiver Wirtschaftsstandort ist die Hauptstadt und ihr Umland allerdings noch eher ein Geheimtipp – und das lässt auch die Vermarkter der Stadt nicht ruhen. Zum ersten Mal ist „Partner für Berlin“, dessen Daseinszweck die bestmögliche Präsentation und Promotion der Stadt ist, ein Sponsor des Innovationspreises Berlin / Brandenburg.

Dieser Preis wird seit elf Jahren von den Ländern Berlin und Brandenburg vergeben – und zwar für zukunftsweisende Produkte, Verfahren und Dienstleistungen. Sponsoren – in diesem Jahr waren es 21 – helfen dabei, die Finanzierung auf die Beine zu stellen. „Der Preis soll als wirtschaftliches Schaufenster fungieren und die Innovationskraft der Region sichtbar machen“, sagte Friedrich-Leopold von Stechow, der Vorsitzende von „Partner für Berlin“, gestern bei der Vorstellung der Preisträger dieses Jahres.

Vier Preisträger wurden mit dem Innovationspreis 2002 ausgezeichnet. Drei davon kamen aus Berlin. Die Verleihung ist mit jeweils 10 000 Euro dotiert und fand mit mehreren hundert geladenen Gästen in feierlichem Rahmen in der Neuen Nationalgalerie statt. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck nutzte nebenbei die Gelegenheit, den neuen Wirtschaftsminister Brandenburgs, Ulrich Junghanns, in Berlin vorzustellen. Er überreichte die Preise zusammen mit dem Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf, Manfred Hennecke, dem Präsidenten der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) und Ulrich Peter, von der Investitionsbank Berlin.

Aus der Medizintechnik wurde die Firma AutoTissue ausgezeichnet, ein spin-off der Charité, das sich der Forschung und Entwicklung widmet und den Kontakt mit der Wirtschaft sucht. AutoTissue hat ein wegweisendes Verfahren entwickelt, Herzklappen von Schweinen für die Transplantation in den Menschen vorzubereiten. Durch die Entfernung der Zellkerne werden Abstoßungsreaktionen minimiert und die Chance eröffnet, dass sich körpereigene Zellkerne ansiedeln – das Transplantat also zu körpereigenem, verträglichem Gewebe wird.

Für die zukunftsweisende Zusammenarbeit eines Forschungsinstituts mit der Industrie wurde das Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik aus Adlershof mit seinen Ausgründungen IXYS Berlin GmbH und Three-Five Epitaxial Services AG (TESAG) prämiert. Die sechs Forscher haben extrem kleine und leistungsfähige Dioden für den Einsatz in der Telekommunikation und der Autoindustrie entwickelt und bereits zur Produktionsreife gebracht.

Den Wachschutz von Gebäuden hat die Firma Robowatch aus Pankow automatisiert. Ihre mit Radar, Kamera und verschiedenen Sensoren ausgestatteten Sicherheitsroboter drehen selbstständig ihre Runden durch Produktionshallen, Messegebäude oder Büros und schlagen Alarm, wenn Unvorhergesehenes geschieht.

Bereits sehr gut vermarktet ist die Entwicklung der Firma Uwe Braun aus Lenzen in Brandenburg. Sie entwickelte im Auftrag des Volkswagen Konzerns ein System zur Qualitätssicherung von Autolacken. Karosserieteile werden vollautomatisch an verschiedenen Stellen gemessen, die Ergebnisse mit vorgegebenen Daten verglichen. Ob Spanien, Tschechien oder Mexiko, der Abgleich ist per Internet auch weltweit möglich.

„Mittlerweile hat sich der Preis als ein Markenzeichen für die Kreativität und Innovationskraft der Region etabliert“, meinte Wirtschaftssenator Wolf. „Ein Indikator für seine Attraktivität bei den Unternehmen ist die gleichbleibend hohe Zahl der Bewerbungen.“ Sie lag auch in diesem Jahr wieder bei mehr als 200.

An dem Wettbewerb teilnehmen können Unternehmensgründer, deren Firmen bis zu 25 Millionen Euro Jahresumsatz machen oder höchstens 600 Mitarbeiter haben. Aber auch Kooperationspartner aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Teams oder Einzelpersonen können sich bewerben. Kleinen und mittleren Unternehmen soll mit dem Preis ein Anreiz gegeben werden, innovative Ideen und technische Neuerungen in marktfähige Produkte oder Dienstleistungen umzuwandeln. Preiswürdig ist die Entwicklung herausragender Produkte, Verfahren oder technischer Dienstleistungen, die eine deutliche Weiterentwicklung zum bisherigen Kenntnisstand darstellen. „Doch dabei überwiegen immer noch die Entwicklungen aus Labors“, sagte Manfred Hennecke, der auch Mitglied der 16-köpfigen ehrenamtlichen Jury ist. „Wir würden uns mehr Beiträge aus dem Handwerk wünschen.“

Über das Preisgeld hinaus bewirkt der Innovationspreis, dass sich Unternehmen vernetzen und der interessierten Öffentlichkeit vorstellen. „Bei der Verleihung der Preise präsentieren sich die Gewinner vor einer Vielzahl von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur“, sagte Annette Kleffel von der TSB Technologiestiftung Berlin, einem der Hauptsponsoren. Dadurch ergebe sich die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, Kooperationen anzubahnen und bisher nicht zugängliche Finanzquellen zu erschließen – eine interessante Perspektive für junge Unternehmer.

Weiteres im Internet unter:

www.innovationspreis.de

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